Die Kunstwerke der Domkammer

Das Reliquienkreuz

Münster, um 1090, Fuß wohl Iran, 10. Jahrhundert

Eines der schönsten und ältesten Altarkreuze in den europäischen Schatzkammern ist dieses goldene Reliquienkreuz, das sich über einem iranischen Bergkristallfuß in Form einer Schachfigur erhebt. Das lateinische Krückenkreuz ist als Gemmenkreuz mit verschiedenfarbigen Steinen reich verziert. Auf der Rückseite ist in Graviertechnik der gekreuzigte Christus als Sieger über den Tod mit offenen Augen  dargestellt, zu beiden Seiten die trauernden Gestalten der Sonne und des Mondes, die auf die kosmische Erschütterung hindeuten.

Pauluskopfreliquiar

um 1040

Besonders kostbare Ausstellungstücke sind die „redenden“ Reliquiare, die in ihrer Gestaltung ausdrücken, welche Reliquien sie umschließen. Das Paulusreliquiar von 1040 enthält einen Teil der Schädelkalotte des Apostels Paulus, des Patrones des Domes und des Bistums. Es ist das früheste ganz in Gold ausgeführte Kopfreliquiar des gesamten Abendlandes und das älteste und bedeutendste Schatzkammerstück des gesamten Domschatzes.

Tragaltar

Westfalen/Niedersachsen, 11./12. Jahrhundert

Tragaltäre wurden auf Reisen benutzt. Dieses überaus kostbare Exemplar ist mit Silberreliefs und Naturperlen, Korallen sowie roten und blauen Perlenstickereien auf Pergamentstreifen reich verziert. Auf der Vorderseite ist im Silberrelief Christus als Weltenrichter zu sehen zwischen Maria und Johannes Evangelist, die in Perlenstickerei gebildet sind.

Messgewand

Iranischer Stoff, 11./12. Jahrhundert

Messgewänder wurden oft auch aus kostbaren Stoffen gefertigt, die zunächst eigentlich für weltliche Zwecke gedacht waren. Einer der schönsten Stoffe ist dieses aus dem Iran stammende Gewebe mit Dekor aus Pelikanen, Hirschkühen und Blütenranken.

Chimärenstoff

Fragment eines Goldbrokatstoffes, Sizilien (Palermo), um 1130

Alte Stoffe haben sich oft nur deshalb erhalten, weil sie, wie auch dieses Gewebe, als Umhüllung von Reliquien in einem Reliquienkasten dienten. Der überaus seltene sizilianische Stoff enthält neben zwei Menschen Mischwesen wie Chimären, Sirenen, Paradiesvögel, Drachenköpfe, Schlangenbänder und einer Mandragora (Menschenwurzel).

Kokosnußpokal

um 1230

Ein Pokal aus der im Mittelalter höchst seltenen Kokosnuß ist mit einer iranischen Bergkristallfigur bekrönt, die ursprünglich ein Löwe war und zu einem Lamm Gottes umgearbeitet wurde. Das Kokosnußreliquiar ist das älteste erhaltene seiner Art.

Muttergottes

Münster, um 1230/50

Die in vergoldetem Silber (über Eichenholz) ausgeführte, feingebildete Skulpturengruppe ist gvon verhaltener innerlicher Beseeltheit geprägt. Die anmutige Maria ist, wie für die Zeit der Spätromanik typisch, auf einem Thron als Gottesmutter mit dem Christuskind auf ihrem linken Bein dargestellt. Christus hat die rechte Hand erhoben um die Welt zu segnen. Die thronende Madonna bildete den Mittelpunkt der goldenen Schauwand des Hochaltars.

Armreliquiar der Hl. Felizitas

Münster, um 1260

Das Armreliquiar gehört zu den „redenden“ Reliquiaren: an einer Seite wird ein Unterarmknochen der Hl. Felizitas sichtbar, auf den die gewählte Form des silbernen Armes hinweist. Der Arm ist mit Reifen geschmückt, die eine reiche Verzierung aus kostbaren Filigranarbeiten und Edelsteinen aufweisen. Felizitas, eine Römerin, wurde unter Kaiser Antoninus Pius (138 – 161) als Christin in Rom hingerichtet, nachdem sie zuvor gezwungen worden war, mit anzusehen, wie ihre sieben Söhne zu Tode gemartert wurden.

Vortragekreuz des Domkapitels

Vorderseite: wohl Münster, um 1260/1265, Rückseite: Münster, um 1620, Goldschmied: Gerdt Werninck

Das Vortragekreuz ist besonders kostbar gestaltet. Inmitten reich verzierter Kreuzbalken, die mit feinen Filigranarbeiten, Edelsteinen und Halbedelsteinen geschmückt sind, hängt Christus mit weit ausgebreiteten Armen im Dreinageltypus am Kreuz. Mit geöffneten Augen ist er hier zeittypisch als Sieger über den Tod dargestellt. Ursprünglich zierte sein  Haupt eine Herrscherkrone. Die Rückseite wurde Anfang des 17. Jahrhunderts mit einem christologischen und biblischen Programm gestaltet. Das Kreuz wird noch heute im Dom bei der Messfeier benutzt.

Hundeaquamanile

13. Jahrhundert

Dieses kostbare und seltene Gießgefäß diente zur Handwaschung des Priesters in der Liturgie. Der Hund als treuer Genosse des Menschen steht für die Wachsamkeit des Glaubens.

Baldachinreliquiar der Muttergottes

Münster, um 1380/90

In der Kombination von Elfenbein und Silber handelt es sich hier um ein ungewöhnliches, sehr kostbares Reliquiar. Die Muttergottes thront als Himmelskönigin auf einem gestuften Sockel und wird von einer Baldachinarchitektur gerahmt. Musizierende Engel umgeben das Haupt der gekrönten Madonna, die seitlich, im Hintergrund, von den beiden weiblichen Heiligen Dorothea (links) und Katharina (rechts) eingefaßt wird.

Sogenanntes "Weibermachtreliquiar"

Münster, um 1370/80

Auch Tugenden und Laster der Menschen wurden auf den Reliquienbehältnissen thematisiert. So beispielsweise im „Weibermachtreliquiar“ aus Elfenbein. Hier ist unter anderem dargestellt, wie Phyllis, die Geliebte des jungen Alexander des Großen, den in sie verliebten alten Philosphen Aristoteles dazu bringt, ihr als Reittier zu dienen.

Silbernes Kopfreliquiar des Hl. Paulus

Münster, um 1380

Das in feinsinniger Form getriebene und ziselierte Antlitz des Hl. Paulus zeigt die seit der Spätantike übliche Kopfform des Heiligen mit der hohen kahlen Stirn, den strähnigen Haaren und dem zweigeteilten Bart. Der Büstensockel ist mit einer Agraffe mit Christusmonogramm und Edelsteinen verziert

Prophetenbüste, um 1390

um 1390

Die Prophetenbüste ist eine der höchst bedeutenden 14 Religuienbüsten aus dem Hochaltar des Domes. Sie gehören zu den größten Kostbarkeiten in europäischen Sammlungen. Diese Büste des Propheten Philo von Alexandrien mit dem markant durchgebildeten Antlitz und aufgesetzter Mütze trägt neben seinem Spruch auf der Schriftrolle eine große Kristallscheibe, hinter der sich Reliquien der Hl. Walburgis und des Hl. Vincenz befinden, was sich aus dem Pergamentstreifen (Cedulä) ablesen lässt.

Hostienmonstranz

um 1400/1420 und um 1540

Diese außergewöhnlich fein gearbeitete Monstranz ist zu einem reichen Fuß wie eine kleine gotische Architektur gebildet. Das aus vielen sogenannten Fialtürmchen mit kleinen Skulpturen bestehende Architekturgebilde umschließt einen Glaszylinder, in den die konsekrierte Hostie, der Leib Christi in einer Halterung angebracht ist, um sie zu bestimmten Zeiten feierlich zur Anbetung zur Schau zu stellen. Monstranzen werden auch beim Fronleichnamsfest feierlich mitgeführt.

Messgewand und Stola aus rotgrünem Samtbrokat

Grundstoff: Florenz, um 1400, Borten: Köln, um 1430

Diese Florentiner Kasel mit der Stola ist wie zeittypisch mit den bekannten Kölner Borten bestickt. Sie diente dem Priester bei der Messfeier. Der außerordentlich prächtige Stoff besteht über einem elfenbeinfarbigen Grund aus dunkelgrünem Samt mit roten Granantapfelmotiven als Symbolen der Unsterblichkeit. Im fein gestickten Gabelkreuz erscheint ein anmutige Madonnenfigur; darunter ist der Name des Stifters Beernt van Holt zu sehen. Kreuz und Stola sind reich mit Christus- und Marieninschriften sowie Symbolen bestickt.

Christus auf dem kalten Stein

Münster, um 1470/80

Nachdenklich schmerzvoll ist der einsame Christus nach der Geißelung und Dornenkrönung auf einem Stein sitzend dargestellt. Das tief empfundene Antlitz, der zur Seite geneigte Kopf mit der schweren Dornenkrone und die plastische Durchbildung des Körpers mit seiner feinen Wendung und Drehung erzeugen den Eindruck verhaltener Innerlichkeit im Leiden. Die ausdrucksvolle Skulptur ist ein typisches Beispiel eines Andachtsbildes des späten Mittelalters.

Messgewand II

Iranischer Stoff, 11./12. Jahrhundert

Messgewänder wurden oft auch aus kostbaren Stoffen gefertigt, die zunächst eigentlich für weltliche Zwecke gedacht waren. Einer der schönsten Stoffe ist dieses aus dem Iran stammende Gewebe mit Dekor aus Pelikanen, Hirschkühen und Blütenranken.

Dalmatik

Grundstoff: Italien, um 1500, Borten: Brüssel, um 1520

Dalmatiken waren die Gewänder der dem Priester bei der Messfeier assistierenden Diakone. Dieser außergewöhnlich kostbare Goldbrokatstoff auf rotem Grund ist verziert mit Borten in Seidenstickerei aus dem im 15. und 16. Jahrhundert hochbedeutenden künstlerischen Zentrum Brüssel. Die Borten zeigen Heilige in Baldachinnischen, die Heiligenfiguren sind in Farben mit so feinen Übergängen gestickt, dass man diese Seidenstichtechnik als Nadelmalerei bezeichnet.

Aufsatz des ehemaligen Johannesaltars

Kilian Wegeworth, Münster, 1537

Der prachtvolle Altar zeigt auf einer, wie in die Landschaft geschobenen Bühnenarchitektur Christus mit der Weltkugel zwischen Johannes dem Täufer und Johannes Evangelist. Die drei Hauptfiguren und weitere Figuren und Szenen sind mit Spruchbändern versehen, die Bezüge zur Heilsgeschichte herstellen.

Heilige Agnes

Münster, um 1536

Die prächtig in Silber und teilvergoldetem Silber gestaltete Reliquienfigur der Heiligen Agnes wurde von dem berühmten Domherren Rudolf von Langen gestiftet. In ihrer modischen Kleidung erscheint die Heilige wie eine reiche Bürgerfrau der Zeit. Das Lamm (Symbol Christi) und der Ring (Hochzeitsring) weisen auf ihr Leben in der Christusnachfolge hin, die einer mystischen Vermählung mit Christus gleichkam.

Zyklus der heidnischen Propheten und Sibyllen

Hermann tom Ring, um 1557/1566

Auch Weissagungen großer Gestalten des Heidentums, der Propheten und Sibyllen wurden im Mittelalter und der frühen Neuzeit in der christlichen Kirche als Hinweis auf die Schöpfung Gottes, die Menschwerdung Christi und die Erlösung durch Christus interpretiert. Der hier dargestellte Prophet und Astrologe Albumasar wies in seinen Sprüchen auf eine Jungfrau und einen Knaben Jesus hin. Als Astrologe ist der durch den Quadranten, Armillarspähre und die polyedrische (26flächige) Sonnenuhr gekennzeichnet. Die Darstellung ist zugleich ein Porträt des Vaters des Künstlers, Ludger tom Ring des Älteren.

Horstmarer Pauluspokal

Goldschmied Johan Meiners, Coesfeld, 1651

Der einzigartige große Doppelpokal, der von einer Paulusfigur (dem Bistumspatron) bekrönt wird, zeigt eine eingravierte Karte mit allen Orten des ehemaligen Fürstbistums Münster, eines Staates, der sich von der Lippe bis nach Ostfriesland ausdehnte. In der Mitte zu öffnen, diente der Pokal wohl in der Osterliturgie zur Hand- und Fußwaschung. Er wird noch heute von der Bruderschaft des Großen Kaland beim Aufnahmeritual zur Weinspende verwendet.

Messkelch

Danzig, Meister CF, um 1700/20

Dieser barocke Kelch ist für die feierliche Heilige Messe besonders reich gestaltet. Der Fuß in Form eines sogenannten Sechspasses zeigt subtil ausgeführte Figurenreliefs: Christus am Kreuz und Heilige. Der birnenförmige Trageknauf ist mit Engelköpfchen geschmückt. Die sogenannte Kuppa ist von Blütenranken umschlossen, die wie ein Korb gebildet sind.

Hellblaue Kasel

um 1730

In der Spätbarockzeit werden Stoffe für Messgewänder gewählt, die wie in diesem Beispiel mit Blumenranken und Blüten reich und farbenprächtig verziert sind. Die Blumen sind als Streublumen verteilt und sehr naturalistisch durchgebildet. Das Kaselkreuz dagegen ist aus einem sogenannten bizarren, exotischen Stoff.