Kardinal von Galen

An der Ostseite des Doms liegen die drei Kapellen. Dort sind drei Bischöfe begraben, die aus der adeligen Familie von Galen stammen. Neben Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen (1606-1678) und Weihbischof Maximilian Gereon Graf von Galen (1832-1908) ist der berühmteste Sohn der Familie Kardinal Clemens August Graf von Galen (1878-1946). Er liegt in der mittleren Kapelle begraben.
Kardinal von Galen war von 1933 bis 1946 Bischof von Münster. In diesen Jahren herrschte das nationalsozialistische Regime unter Adolf Hitler über Deutschland. Kritiker wurden unterdrückt und riskierten ihr Leben, wenn sie sich gegen das menschenverachtende Vorgehen des Diktators auflehnten.
Der selige Kardinal von Galen ist unter einer schweren Grabplatte aus Bronze beigesetzt worden. Neben seinem Bischofswappen steht darauf sein Wahlspruch in lateinischer Sprache: „Nec laudibus nec timore“. Übersetzt heißt das: „Weder Lob noch Furcht.“ Der Kardinal wollte sich als Bischof weder durch Beifall noch durch Einschüchterung beeinflussen lassen.
Kardinal von Galen war ein mutiger Kritiker dieses Systems. Besonders gegen die Tötung von Menschen mit Behinderung lehnte er sich auf. Die Nationalsozialisten nannten sie „unwertes Leben“ und brachen sie in Einrichtungen, wo sie ermordet wurden. Von Galen schrieb berühmte Predigten, in denen er diese Praxis trotz Todesgefahr öffentlich verurteilte.
Auf eine der berühmten Predigten von Kardinal von Galen verweist eine Gravur auf dem Metallband, das von seiner bronzenen Büste in die Kapelle verläuft, wo er begraben liegt. Dort ist ein Hammer und ein Amboss zu sehen. Galen rief die Menschen damals auf, gegen das Regime standhaft und stark zu bleiben wie ein Amboss.
Die Taten von Galens wurden auf der ganzen Welt gewürdigt. Schon 1946 wurde er in Rom zum Kardinal ernannt. Seine Rückkehr nach Münster war triumphal. Die Menschen begrüßten ihn vor dem zerstörten Paulusdom als „Löwen von Münster“, der mit großem Mut Widerstand gegen Hitler und sein Regime geleistet hatte.
Schon wenige Tage nach seiner Rückkehr starb Kardinal Clemens August Graf von Galen an einer Blinddarmerkrankung. Seine Begräbnisfeier konnten nicht im zerstörten Dom stattfinden und wurden in die Heilig-Kreuz-Kirche in Münster verlegt. Von dort wurde sein Sarg in die Kapelle im Dom überführt.
Im Jahr 2005 wurde Kardinal von Galen in Rom seliggesprochen. Das heißt, seine Taten wurden vom Papst offiziell als außergewöhnlich heldenhaft gewürdigt. Christen glauben, dass sie in einem Seligen jemanden haben, zu dem sie beten könne und der sich bei Gott für ihre Anliegen einsetzt. Selige und Heilige werden deshalb in besonderer Weise verehrt.
Ein berühmter Besucher der Kapelle hat sich vor der Grabplatte verewigt. Papst Johannes Paul II. betete 1987 am Grab von Kardinal von Galen. Sein Gruß, seine Unterschrift und sein Wappen sind in das Bronzene Band graviert worden.
Neben dem Grab steht eine große silberne Figur aus dem Jahr 1880. Sie stellt den ersten Bischof von Münster da, den heiligen Liudger. Auf der Brust ist hinter einem Glas ein Knochen des Heiligen zu sehen, eine so genannte Reliquie. Die Gänse auf dem Sockel der Statue erzählen eine Legende über ihn. Er soll Bauern geholfen haben, Wildgänse zu verjagen, die auf den Feldern die Saat wegfraßen.
In und um den Dom gibt es viele weitere Darstellungen von Kardinal Clemens August Graf von Galen. Beeindruckend ist die Statue auf der Ostseite. Sie ist aus Bronze und 3,80 Meter hoch. Er ist mit erhobener Hand als mahnender Bischof dargestellt, der sich mutig dem nationalsozialistischen System entgegenstellt.