Domglocken

Zehn Glocken mit etwa 20,6 t Gewicht

Die neun alten Domglocken (sechs des Hauptgeläutes und drei der "Englischen Jagd") und die zwei Uhrglocken im Dachreiter haben die zwei Weltkriege und den Bombenhagel nicht überlebt. Es waren sehr alte Glocken darunter. Zwei aus dem Jahr der Domweihe 1264, eine Uhrglocke aus dem 14. Jahrhundert und die "Englische Jagd" aus den Jahren 1538 und 1683, die in festem Rhythmus geschlagen (gebeiert) wurde, die wie jagend den "ernsten Bass des Hauptgeläutes umflatterte" und nach der Überlieferung den drei Erzengeln geweiht war.

Der Dom hatte und hat jetzt wieder ein großes Geläut, wie es einer Bischofskirche zukommt. Zur Wiedereröffnung des erneuerten Domes im Jahre 1956 hat der Glockengießermeister Josef Feldmann zusammen mit seinem Schwiegersohn Marschel in der Gießerei Feldmann und Marschel in Münster-Loddenheide ein großes, herrliches Geläut von zehn Glocken in Bronze geschaffen.

Eine angekaufte alte Glocke (Ludgerus, Ton e') und das Altmetall der zerstörten Glocken hat er dabei verwendet. In frischem Andenken an den unvergessenen, erst zehn Jahre vorher verstorbenen, Kardinal Clemens August von Galen wurde 1956 eine zehnte Glocke, die tiefste mit dem Ton fis, hinzugefügt und nach ihm "Kardinal" benannt.

Einläuten eines hochfestlichen Pontifikalamts

Das Geläut hat folgende Glocken

Kardinal
Ton: fis
Durchmesser: 2,30 m
Gewicht: 7604 kg
Das Läuten der Kardinals-Glocke anhören...

Bernardus
Ton: gis
Durchmesser: 2,02 m
Gewicht: 4990 kg
Das Läuten der Bernardus-Glocke anhören...

Paulus
Ton: h
Durchmesser: 1,70 m
Gewicht: 2940 kg
Das Läuten der Paulus-Glocke anhören...

Petrus
Ton: cis'
Durchmesser: 1,50 m
Gewicht: 2036 kg
Das Läuten der Petrus-Glocke anhören...

Ludgerus
Ton: e'
Durchmesser: 1,15 m
Gewicht: 1000 kg (alt)
Das Läuten der Ludgerus-Glocke anhören...

Andreas
Ton: fis'
Durchmesser: 1,10 m
Gewicht: 790 kg
Das Läuten der Andreas-Glocke anhören...

Maria
Ton: gis'
Durchmesser: 0,98 m
Gewicht: 535 kg
Das Läuten der Maria-Glocke anhören...

Michael
Ton: h'
Durchmesser: 0,86 m
Gewicht: 363 kg
Das Läuten der Michael-Glocke anhören...

Gabriel
Ton: cis''
Durchmesser: 0,71 m
Gewicht: 213 kg
Das Läuten der Gabriel-Glocke anhören...

Raphael
Ton: e''
Durchmesser: 0,59 m
Gewicht: 120 kg
Das Läuten der Raphael-Glocke anhören...

Im mächtigen Südturm schwingen bei vollem Geläut zehn Bronzeglocken mit etwa 20,6 t Gewicht. Die Glocken tragen bis auf die neu geschaffene "Kardinal" und die angekaufte "Ludgerus" die Namen ihrer Vorgänger.

Die drei kleinsten Glocken heißen auch heute noch nach der Tradition die "Englische Jagd"; sie werden nicht mehr "gebeiert", sondern geläutet, sie schwingen selbst. Die Tonfolge ist gegenüber früher – wohl auch mit Rücksicht auf die neue tiefe Glocke und die angekaufte Ludgerus-Glocke – geändert worden. Sie lautet jetzt: fis, gis, h, - cis', e', fis', gis', - h', cis'', e''.

Diese Tonfolge muss dreigeteilt gesehen werden. Während die drei kleinsten Glocken das "Gloria" der Messe in eigener Klanghöhe verkünden, nehmen die vier mittleren Glocken mit den Tönen cis', e', fis', gis' das Thema der Präfation auf (per omnia saecula...), und darunter ertönt in den drei Bassglocken fis, gis, h wieder der Anfang des "Gloria". Außerdem sind noch die Themen "Salve regina" in den oberen Glocken e', gis', h', cis'' und das "Parzival"-Motiv in den unteren Glocken gis, h, cis', e' enthalten. Klanglich sind die Glocken so abgestimmt, dass die Zusammenstellung des Geläutes variiert werden kann.

Geläutet wird:
a) mit vollem Geläut (alle zehn Glocken): vor jedem hohen Festtag, zu Neujahr, zum "Te Deum", beim Auszug des Bischofs
b) mit großem Geläut (fünf Glocken): zum sonntäglichen Hochamt mit Paulus, Petrus, Ludgerus, Andreas, Maria
c) mit dunklem Geläut (vier Glocken): zur Pontifikalvesper mit Kardinal, Bernardus, Paulus, Petrus
d) mit hellem Geläut (vier Glocken): zum einfachen Sonntag mit Paulus, Petrus, Ludgerus, Maria
e) mit 3 hellen Glocken: zu einfachen Messen mit Ludgerus, Andreas, Maria
f) mit einer hellen Glocke: zum Angelus mit Andreas
g) mit einer tiefen Glocke: zum Tod des Bischofs mit Kardinal, zum Tod eines Weihbischofs mit Bernardus, zum Tod eines Domherren mit Paulus

Die zwei Uhrglocken im Dachreiter für den vollen und den Viertel-Stundenschlag, die von der astronomischen Uhr gesteuert werden, sind alte Glocken, die 1956 angekauft wurden.


Text: Domführer - Der Dom zu Münster und seine Kunstschätze
Foto: Michael Bönte, Kirche+Leben