Studium von 1000 Jahren Kirchengeschichte

Ein Blick in den St.-Paulus-Dom.
St.-Paulus-Dom.

Entdeckungstour im münsterschen St.-Paulus-Dom (4)

"Wenn Sie durch den Dom gehen, können sie 1000 Jahre Kirchengeschichte studieren", erzählt Walter Böcker der Gruppe, die sich am ehemaligen Hochaltar im Westchor des Doms versammelt hat. Von ihren Sitzplätzen im Chorgestühl blicken die Besucher auf den dreiflügeligen ehemaligen Hauptaltar des Doms mit Schnitzereien, die Szenen aus dem Leben des heiligen Paulus zeigen. In den kleinen Nischen des Altars hatten früher Monstranzen und Reliquienschreine Platz.

Diese befinden sich heute in der Domkammer, die jedoch kein Museum sei, sondern viele Gegenstände beherberge, die noch in Gebrauch sind, etwa das Kapitelskreuz, das beim Ein- und Auszug von Gottesdiensten vorneweg getragen wird. Drei Schwerpunkte habe die Domkammer, in die man über den Kreuzgang gelangt: Im Erdgeschoss befindet sich der Reliquienschatz des Doms, das Untergeschoss widmet sich den liturgischen Festen und der Kleidung, das Obergeschoss vermittelt einen Einblick in die Geschichte des Doms. Außerdem erinnern Werke der Bildhauerei, der Malerei und des Kunsthandwerks an die zwölfhundertjährige Geschichte des Doms.

Die Schriftstellerin Gertrud von le Fort habe über die drei westfälischen Dome Folgendes gesagt, erzählt Böcker der Gruppe: "Paderborn – der mächtige, Münster – der prächtige, Minden – der andächtige". Von ihrem Platz haben die Besucher einen guten Überblick über den "prächtigen" dreischiffigen Bau aus der Übergangszeit der Spätromanik, der aus einem Hauptschiff, zwei Nebenschiffen sowie einem westlichen und einem östlichen Querschiff besteht. Damit erinnere der Dom an Hallenkirchen und Basiliken.

Im südlichen und nördlichen Seitenschiff befinden sich Altäre und Epitaphe, Erinnerungsmäler an Verstorbene aus der Barockzeit. Das Taufbecken, das die Gruppe vor sich erblickt, stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert und zeigt Darstellungen der Taufe Jesu und der vier Evangelisten. Unter dem Westchor befinden sich die Gräber der Bischöfe Johannes Poggenburg, Michael Keller und Heinrich Tenhumberg.

In die Amtszeit von Bischof Michael Keller fällt die Entscheidung über den Wiederaufbau des Doms, der 1956 abgeschlossen wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Dom zu 90 Prozent zerstört. Damals wurde ein neuer Altar in die Mitte der Vierung des Ostschiffs gesetzt, sodass der Klerus nicht mehr vom Volk getrennt war und die Gläubigen sich von allen Seiten um den Altar versammeln konnten. Das sei für die damalige Zeit bemerkenswert gewesen, erklärt Böcker. "Es ist eine großartige Leistung, dass der Dom nach den Richtlinien des Zweiten Vatikanischen Konzils wieder aufgebaut wurde – zehn Jahre vor Beendigung des Konzils." Das habe Bischof Keller gegen manchen Widerstand durchgefochten.

Großen Widerstand habe es auch gegen seine Entscheidung gegeben, das gotische Portal am Westchor nicht wieder aufzubauen.

Doch nicht nur alte Kunst finden die Besucher beim Gang durch den Dom. Böcker weist die Gruppe auf ein Triptychon des Künstlers Thomas Lange in der südlichen Turmkapelle, auf die Fenster von Georg Meistermann im Kapellenkranz des Domes und auf den Kreuzweg von Bert Gerresheim im Chorumgang hin. "Wir legen auch Wert auf moderne Kunst – als Glaubenszeugnisse der Gegenwart."

Text: Almud Schricke, dialogverlag
Foto: Michael Bönte, dialogverlag
14.08.2007

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Mi.: 8.30 bis 12.00 Uhr
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