Worte Galens gegen die NS-Diktatur

Kardinal von Galen hat zu seiner Zeit als Bischof von Münster mehrfach deutlich Stellung gegen die Ideologie des nationalsozialistischen Regimes bezogen. Kirchesite.de nennt einige Auszüge aus seinen Predigten und Ansprachen:

"Die Neuheiden leugnen die Gemeinschaft der für alle Völker bestimmten Kirche Christi und streben eine Nationalkirche an, die nicht auf der Grundlage des gemeinsamen Glaubens an die Offenbarung ruht, sondern auf den Lehren von Blut und Rasse. ... Es handelt sich also um eine grundsätzliche und radikale Ablehnung aller Geheimnisse des Christentums, und um das Bemühen, auf dem Boden von Blut und Rasse eine neue Religion mit nationalen Sinnbildern und Vorbildern zu schaffen."

(Osterhirtenbrief vom 26. März 1934 gegen die neuheidnischen Ideen des Nazi-Ideologen Alfred Rosenberg)

"Wie viele Katholiken, Priester und Laien sind in Zeitungen und Versammlungen angegriffen und beschimpft, aus Beruf und Stellung vertrieben und ohne Gerichtsurteil gefangen gesetzt und misshandelt worden. Der Leiter der bischöflichen Informationsstelle in Berlin, Domkapitular Dr. Banasch, schmachtet seit Monaten schon im Kerker, und man hat seinen Auftraggebern, den Bischöfen, nicht einmal mitgeteilt, wessen man ihn beschuldigt."

(Predigt am 9. Februar 1936 in Xanten)

"Die Zeiten, in denen die Kirche verfolgt wurde, sind immer ihre größten gewesen, und wir dürfen stolz sein, in einer solchen zu leben. Jetzt zeigt sich, wer wirklich treu ist oder wer nur aus Profit zu uns hielt. Jetzt zeigt sich, dass das Christentum keine Angelegenheit für 'bequeme Spießer' ist, sondern nur für ganze Kerls und wackere Kämpfer."

(Spontane Ansprache an katholische Jugendliche in Gelsenkirchen-Buer 1936)

"Keiner von uns ist sich sicher, und mag er sich bewusst sein, der treueste, gewissenhafteste Staatsbürger zu sein, mag er sich völliger Schuldlosigkeit bewusst sein, dass er nicht eines Tages aus seiner Wohnung geholt, seiner Freiheit beraubt, in den Kellern und Konzentrationslagern der Geheimen Staatspolizei eingesperrt wird."

(Predigt 13. Juli 1941, Lamberti Münster)

"Wenn einmal zugegeben wird, dass Menschen das Recht haben, 'unproduktive' Mitmenschen zu töten – und wenn es jetzt auch nur arme, wehrlose Geisteskranke trifft –, dann ist grundsätzlich der Mord an allen unproduktiven Menschen, also an den unheilbar Kranken, den arbeitsunfähigen Krüppeln, den Invaliden der Arbeit und des Krieges, dann ist der Mord an uns allen, wenn wir alt und altersschwach und damit unproduktiv werden, freigegeben."

(Predigt 3. August 1941, St. Lamberti Münster)


Text: Michael Bönte, Kirche+Leben
Foto: Archiv
24.07.2009

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