Hintergrund: Große Prozession

Der Ursprung der Großen Prozession liegt im 14. Jahrhundert. Unseren Vorfahren galten Krankheit und Unglück allgemein als Prüfungen und Heimsuchungen Gottes. Zu den schlimmsten Geißeln der Menschheit gehörten Pest und Brand. Bei seinem ersten Auftreten im Abendland um die Mitte des 14. Jahrhunderts erregte der „Schwarze Tod“, wie man die Pest nannte, in der ahnungslosen Bevölkerung ein grausiges Entsetzen. Da die damalige Medizin der Seuche hilflos gegenüberstand, waren die Verluste an Menschenleben ungeheuer (bis zu 95 %).

Im Jahre 1382 fielen der Pest in Münster innerhalb eines halben Jahres angeblich über 8000 Personen zum Opfer, vornehmlich, wie der Chronist anmerkt, „junge und schöne Menschen beiderlei Geschlechts“.

Als im Jahre darauf ein Großbrand weite Stadtgebiete – insgesamt 400 Wohnhäuser – in Schutt und Asche legte, fassten Bürgerschaft und Geistlichkeit – wie in vielen anderen Städten und Gemeinden – den Entschluß, eine allgemeine, überpfarrliche Buß- und Bittprozession zu veranstalten, um Sühne zu leisten und Gott um Schonung zu bitten. Dieser Entschluß war ein heiliges Gelöbnis.

Seit dieser Zeit zogen, wie wir aus dem Zweiten Domordinarius wissen, alljährlich am Montag vor St. Margaretha (13. Juli im münsterischen Kalender) Bürgerschaft und Geistlichkeit mit dem Allerheiligsten durch die Straßen der Stadt zu den Hauptkirchen, wo der sakramentale Segen erteilt und Gott um Abwendung von Pest und Brand, Hunger und Krieg angerufen wurde. Der Welt- und Ordensklerus trug Kerzen in den Händen, begleitete aber das Allerheiligste „in nigris“, in schwarzen Paramenten, um dem Bußcharakter der Prozession Ausdruck zu verleihen.

Unter dem Einfluß der religiösen Barockkultur des 17. Jahrhunderts wandelte Fürstbischof Christoph Bernhard v. Galen (1650 – 1678) die schlichte Buß- und Bittprozession nach ihrem äußeren Erscheinungsbild in eine triumphale Sakramentsprozession mit festlichen Paramenten, mit Glockengeläut und Böllerschüssen um, ohne jedoch die Buß- und Bittgebete in den Stationskirchen anzutasten.

In dieser Form hat sich die Große Prozession unter hervorragender Beteiligung der münsterschen Bevölkerung bis in die jüngste Vergangenheit erhalten.

In der Zeit des Nationalsozialismus unter Bischof Clemens August Graf von Galen galt die Prozession mit nie zuvor und nie nachher erreichten Teilnehmerzahlen als überwältigende Demonstration der Katholiken Münsters für den christlichen Glauben und seine Werte.

In den 1960 Jahren wurden Überlegungen angestellt, die Form der Großen Prozession zu verändern, weil der weitaus größte Teil der vielen Teilnehmer das Allerheiligste nicht sehen oder einen eucharistischen Segen empfangen konnte. Die Eucharistie wurde gefeiert, während ein großer Teil der Prozession schon auf dem Wege war; sie konnte auch nicht mehr im Anschluß gefeiert werden, dann hätte die Spitze der Prozession zwei Stunden warten müssen.

Das Domkapitel und die Pfarrer der Stadt waren der Überzeugung, daß eine neue Form gefunden werden mußte, wobei sowohl die eucharistische Verehrung als auch das Gelübde Berücksichtigung finden sollten. Daher wurde der Beschluß gefaßt, in den Pfarrkirchen der Stadt, gleichsam als Stationskirchen, den Wortgottesdienst zu feiern und dann in Prozession sternförmig zum Dom zu ziehen, um dort unter Teilnahme des Bischofs die Eucharistie zu feiern. Diese einschneidende liturgische Veränderung war am 9. November 1965 von der Heiligen Ritenkongregation in Rom genehmigt worden.

Anläßlich des 1200jährigen Bestehens der Stadt im Jahre 1993 wurde die Große Prozession auf den Sonntag vorgezogen.
 
Seit 2012 sind Statio und Meßfeier wieder je eine eigene Feier. Der sakramentale Segen am Ende des Pontifikalamtes erinnert an die alte Sakramentsprozession und wird in derselben Intention erteilt.

Nach wie vor gemahnt diese traditionsreiche, aus der Mitte des Volkes erwachsene kirchliche Feier, alle Teilnehmer an die Realität von Sünde und Schuld, von Strafe und Sühne und an die Hoffnung, die uns durch das Kreuz Christi gegeben ist. Sie ermutigt uns zu Gottvertrauen in unserem Streben nach Heil.

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