Jan Henrik Röttgers wird am Pfingstsonntag zum Priester geweiht

Jan Henrik Röttgers.

Jan Henrik Röttgers.

Er kommt aus der Mitte der Kirche, und dahin möchte Jan Henrik Röttgers jene rücken, die am Rand stehen, die Armen, die Ausgestoßenen. So versteht der 29-Jährige die Aufgabe, die er selbst sich für sein Leben stellt: Mit vier weiteren Männern wird er am Pfingstsonntag, 9. Juni, im St.-Paulus-Dom Münster von Bischof Dr. Felix Genn zum Priester geweiht werden.

Röttgers selbst stammt aus einem klassisch-katholischen Umfeld, ist aufgewachsen in Bösel im Landkreis Cloppenburg, der zum niedersächsischen Teil des Bistums Münster gehört. „Mit meiner Mutter und meiner Oma habe ich schon als Kind viel gebetet, auch Tischgebete gehörten bei uns dazu“, erinnert er sich. Naheliegend, dass er nach der Erstkommunion Messdiener und später Messdienerleiter wurde. „Das alles war auch gut so, so wurde ein gutes Fundament gelegt, und auch in die Liturgie bin ich so reingewachsen“, findet Röttgers.

Dabei war ihm der Glaube immer mehr als der Gottesdienstbesuch: „Aus dem Glauben habe ich immer viel Freude und Trost gezogen, und hatte schon früh das Bedürfnis, beides weiterzugeben.“ Trotzdem dachte Röttgers zunächst an einen Beruf im naturwissenschaftlichen Bereich – bis ihn ein indischer Pater aus seiner Heimatgemeinde auf einen Berufungskreis hinwies. „Da bin ich einfach mal hingegangen und habe die Erfahrung gemacht, dass ich mit meiner Ahnung von einer Berufung nicht allein war“, sagt er – eine Erfahrung, die ihn so bestärkte, dass er nach dem Zivildienst nach Münster ans Priesterseminar Borromaeum ging und ein Theologie-Studium aufnahm.

„Meine Familie hat diese Entscheidung immer unterstützt“, erzählt Röttgers. Seine Freunde wiederum hätten seinen Weg als „die für mich beste Art, mich zu verwirklichen“ verstanden.

Ein Freisemester verbrachte er im spanischen Granada. Das Eintauchen in eine andere Kultur und eine andere Art des Glaubens begeisterten den jungen Mann so, dass er nach seinem Studium noch ein halbes Jahr in einer Gemeinde in Mexiko anschloss. Dort begegnetet er einer Armut, die sein Verständnis von Kirche bis heute prägt: „Unsere Kirche ist mir oft zu verbürgerlicht. Ich wünsche mir eine Kirche der Armen, die Jesu Auftrag und Zusage traut und die Gesellschaft verändert. Denn Jesu Angebot richtet sich an alle Menschen.“

Zurück in Deutschland, startete Röttgers 2017 in das Gemeindejahr in der Heilig-Kreuz-Pfarrei in Dülmen, gab Religionsunterricht, arbeitete im Jugend- und Caritasbereich. Seit seiner Diakonenweihe 2018 übernimmt er zusätzlich Taufen, Beerdigungen und Predigten.

Allem geraden katholischen Weg zum Trotz: Zweifel kennt auch Jan Henrik Röttgers. „Zwischendurch habe ich mich schon mal gefragt, ob ich in dieser Kirche mein Leben lang tätig sein will“, schildert er, „aber irgendwas hat mich immer gehalten und hält mich bis heute.“ Dabei ist der angehende Priester nicht blind für die Schwachpunkte der Kirche. „Immer wieder gab es ja auch kritische Anfragen an mich, besonders im Zuge des Missbrauchs-Skandals.“ Er wolle sich aber nicht entmutigen lassen: „In all diesem Schrecklichen steckt zumindest die Chance, wichtige Themen in der Kirche neu und anders anzusprechen.“

Daran möchte er künftig mitwirken: „Das Schöne am Priesterberuf ist ja, dass man unheimlich viel Freiraum hat, die frohe Botschaft zeitgemäß zu leben und zu gestalten. Darauf freue ich mich, auch, wenn es vielleicht ein wenig fromm klingt: am Reich Gottes mitzubauen.“

Die Feier der Priesterweihe wird auch als Live-Videostream ins Internet übertragen. Dieser Fernsehgottesdienst ist am Sonntag, 9. Juni, ab 14.30 Uhr zu sehen auf den Internetseiten www.paulusdom.de, www.bistum-muenster.de, www.kirche-und-leben.de, www.katholisch.de und www.bibeltv.de/livestreams.

Text/Foto: Bischöfliche Pressestelle
22.05.2019

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