Jan Aleff wird am Pfingstsonntag zum Priester geweiht

Jan Aleff.

Jan Aleff.

Jan Aleff sitzt auf einer Holzbank, gebaut aus Paletten, und grinst. Heiterkeit, diese Eigenschaft ist dem 37-Jährigen wichtig. Nicht nur im persönlichen, auch im beruflichen Kontext: „Um die Frohe Botschaft zu verkünden, brauchen wir Heiterkeit“, sagt er. Die Menschen in der katholischen Kirche müssen das wieder lernen, ist Aleff überzeugt, „heiter zu sein, weil sie Getaufte sind“. Er möchte sie dabei begleiten und hat sich das zur Lebensaufgabe gemacht: Am Pfingstsonntag, 9. Juni, wird Aleff im St.-Paulus-Dom in Münster zum Priester geweiht.

Aleff fasst seine Motivation in wenigen Worten zusammen: „Wir haben tolle Botschaften in der Bibel. Wenn ich davon erzähle, macht mich das einfach zufrieden.“ Aufgewachsen im ländlichen Rhade bei Dorsten engagierte er sich schon früh als Messdiener und Gruppenleiter in der Pfarrei, ließ sich von Gruppendynamiken anstecken. Während des Zivildienstes in Kinder- und Jugendwohngruppen wurde er mit der Realität konfrontiert. „Gewalt, Drogen, Verwahrlosung – das hat mich bestürzt und ich wusste, dass es da etwas zu tun gibt.“

Aleff studierte Deutsch und Erkunde, später auch Theologie, und wurde Lehrer. „Ich wollte partout nicht in die Richtung gedrängt werden, Priester zu werden“, erinnert er sich, obwohl ihn Freunde und Bekannte immer wieder darauf ansprachen. Vor dem Referendariat fühlte er sich dann doch berufen: „Ich habe einen Deal mit mir geschlossen: Wenn der Ruf nach der Ausbildungszeit immer noch so stark ist, werde ich ihm nachgehen“, blickt er zurück. Zwei Jahre später zog er ins Priesterseminar ein.

Taufbecken als Lieblingsplatz

Mehrere Jahre sind seitdem vergangen. Besonderes sein Einsatz zunächst als pastoraler Mitarbeiter und dann als Diakon in der Pfarrei St. Georg in Bocholt hat ihn in seiner Entscheidung, Priester zu werden, bestärkt. „Hier habe ich gelernt, wie Gemeinde auch in Zukunft funktionieren kann“, sagt Aleff. Gerne habe er als Diakon Kinder getauft, Paare getraut, selbst Menschen beerdigt. „Bei einer guten Beerdigung passiert viel Frohe Botschaft“, diese Erfahrung hat der 37-Jährige oft gemacht. Am liebsten aber steht er am Taufbecken. „Es ist einfach toll, junge Menschen in die Gemeinschaft der Christen aufnehmen zu dürfen“, sagt er. Außerdem verweise das Sakrament auf die Zukunft der Kirche: „Bei den sinkenden Priesterzahlen werden der Sauerteig in der Gesellschaft Menschen sein, die sich an ihre Taufe erinnern und gerne über ihren Glauben sprechen“, ist er überzeugt.

Aleff ist bewusst, dass diese Heiterkeit vielerorts in der katholischen Kirche derzeit Mangelware ist. „Aber unser Glaube kann nicht nur Kar-Tage“, sagt der angehende Priester. Die Frohe Botschaft, das helle Licht, dürfe nicht aus den Augen verloren werden. Sein Augenmerk liegt dabei auf der Bibel: „Was die Heilige Schrift zu bieten hat, verdient noch mehr Aufmerksamkeit“, findet Aleff. Besonders die Evangelien gäben Antworten auf Fragen, die die Menschen nach wie vor umtreiben. Was ist der Sinn des Lebens? Was passiert nach dem Tod? „Als Priester darf ich hier mit den Menschen zusammen unterwegs sein, ihnen in existenziellen Situationen begegnen“, fasst Aleff zusammen und fügt hinzu: „Das ist ein unfassbar lebendiger Beruf.“

"Anders-Orte" zum Auftanken

Kraft für diese Aufgabe tankt er im Gebet und an verschiedenen Orten, die er als „Anders-Orte“ bezeichnet. „Taizé gehört dazu, wo ich Stille und beten gelernt habe, die Jugendburg Gemen in Borken, wo ich gelernt habe, Ostern zu feiern, und die Insel Ameland, wo ich als Betreuer im Ferienlager und als Mitglied im Pastoralteam gelernt habe, dass eine Gruppe mehr ist als die Summe ihrer Teile“, erklärt Aleff. Auch aus kleinen Aufbrüchen, die er in St. Georg in Bocholt oft erleben durfte, zehrt er: „Wenn ich Begegnungen habe, bei denen ich merke, da ist jetzt noch ein Dritter dabei, macht mich das unheimlich glücklich.“

Trotz aller Herausforderungen blickt Aleff positiv in die Zukunft: „Die Kirche wird von der Basis her lebendig bleiben“, ist er sich sicher. Er freut sich darauf, zusammen mit den Menschen in den Pfarreien etwas auszuprobieren und neue Wege zu finden, den Glauben miteinander zu leben. Wichtig ist ihm, dass dabei nicht nur er „der Berufene“ in einer Gruppe ist. „Es gibt viele Berufungen“, sagt er. Jeder Mensch trage Talente in sich, die eine Berufung möglich machten. Menschen in ihren Talenten zu bestärken, das sieht Aleff als eine Aufgabe an. Mit einem Lachen fasst er zusammen: „Als Priester werde ich also eine Art Talente-Scout für Jesus.“

Die Feier der Priesterweihe wird auch als Live-Videostream ins Internet übertragen. Dieser Fernsehgottesdienst ist am Sonntag, 9. Juni, ab 14.30 Uhr zu sehen auf den Internetseiten www.paulusdom.de, www.bistum-muenster.de, www.kirche-und-leben.de, www.katholisch.de und www.bibeltv.de/livestreams.

Text/Foto: Bischöfliche Pressestelle
28.05.2019

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