Große Prozession: Bischof Genn für Europa als "sicheren Hafen"

"Europa lebt vom Vertrauen in die Menschlichkeit. Wir müssen und wir können ein sicherer Hafen sein, der verfolgte Menschen bei uns anlegen lässt. Menschen, die Leben retten, können keine Verbrecher sein. Gesetze, die dies bezeugen, sind falsch, ganz gleich, wie laut geschrien wird. Wir brauchen den Rechtsstaat, damit Menschen vor Unrecht geschützt werden. Aber der Rechtsstaat tritt für Menschlichkeit ein, nicht dagegen.“ Das hat der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, am 7. Juli in Münster betont. Er nahm damit Bezug auf die aktuellen Diskussionen über die Seenotrettung. Der Bischof feierte im St.-Paulus-Dom die Heilige Messe aus Anlass der Großen Prozession.

Bei dieser waren die Gläubigen zuvor von der Marktkirche St. Lamberti durch die Stadt und über den Prinzipalmarkt zum Dom gezogen. Die Prozession stand unter dem Leitwort „Was für ein Vertrauen“. Sie griff damit das Motto des Deutschen Evangelischen Kirchentags auf, der im Juni in Dortmund stattgefunden hatte. Im Dom konzelebrierten mit Bischof Genn Stadtdechant Jörg Hagemann und der Seelsorger der vietnamesischen Gemeinde, der Steyler Missionar Pater Peter Quan Nguyen. Die vietnamesische Gemeinde gestaltete die Große Prozession in diesem Jahr mit. Veranstalter der Großen Prozession sind das Stadtdekanat Münster und das Domkapitel.

In seiner Predigt nahm Bischof Genn Bezug auf das Leitwort und machte deutlich, dass Vertrauen eine Grunddimension des menschlichen Daseins berühre. Auch der Staat, gerade eine Demokratie, lebe vom Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger. „Wir spüren in der gegenwärtigen Stunde mit großer Bedrängnis und Heftigkeit, wie gefährdet dieses Vertrauen ist. Wie viel Misstrauen, wie viel Hass wird in sozialen Netzwerken gesät! Verantwortliche werden in einer Weise angegriffen, dass sie um ihr Leben fürchten müssen. Ohne Vertrauen ist ein Miteinander nicht möglich“, betonte der Bischof.

Hiervon ausgehend stellte der Bischof die Frage, wie Vertrauen wieder zurückgewonnen werden könne und betonte, dass Vertrauen nicht einfach machbar sei. „Gewonnen wird Vertrauen nur dadurch, dass ich als glaubender Christ mich darauf einlasse, Jesus in mein Leben einzulassen, ihm gewissermaßen einen Vertrauensvorschuss gebe. So ist es auch in menschlichen Beziehungen. Ohne einen gewissen Vertrauensvorschuss kann weder eine Einzelbeziehung noch Gemeinschaft wachsen“, sagte Bischof Genn.

Im Rahmen des von der Deutschen Bischofskonferenz beschlossenen synodalen Wegs gehe es darum, die anstehenden Fragen zu besprechen und in einem guten Miteinander danach zu suchen, was aktuell von der Kirche gefordert sei. Bischof Genn: „Grundlage kann nur das Vertrauen sein, wenn wir im Gespräch aufeinander hören und gemeinsam um Lösungen ringen.  So ist uns sicherlich eine ganz große Hilfe gegeben worden durch das Schreiben, das Papst Franziskus an das pilgernde Gottesvolk in unserem Land gerichtet hat. In diesem Schreiben geht es um die Grundhaltungen, die uns in der gemeinsamen Sorge um die Kirche prägen sollen. Die Grundlage ist das gegenseitige Vertrauen und das Vertrauen auf Jesus selbst.“ Vertrauen auf Jesu bedeute auch, denen, die sich mit seinem Namen verbinden würden, das Grundvertrauen entgegenzubringen, wie man selbst aus seinem Geist zu leben und um die Fragen zu ringen.

„Der heutige Sonntag“, so sagte Bischof Genn am Ende seiner Predigt, „ist eine Einladung und ein Angebot, sich auf diesen Jesus, der sich auf die Menschen einlässt, selber einzulassen und ihm die Tür zu öffnen, damit er unser Leben prägen und gestalten kann. Er bittet uns förmlich  heute sozusagen um einen Vorschuss an Vertrauen, dass er es mit uns richtig machen kann. Ergreife ich seine ausgestreckte Hand, dann werde ich erfahren dürfen, dass er nicht einfach daher geredet hat. Er ist die Quelle, von der der Strom des Friedens ausgeht und die uns in aller Not Trost sein kann.“

Der Großen Prozession voraus getragen worden war traditionell eine Nachbildung des historischen Pestkreuzes, dessen Original im Stephanuschor des Doms hängt. Es verweist auf die Ursprünge der Großen Prozession im Jahr 1383. Nach einer Pest-Epidemie und einem Großbrand gelobten Bürgerschaft und Geistlichkeit damals, künftig jährlich bei einer Buß- und Bittprozession um Schutz vor solchem Unglück zu beten.

Für die musikalische Gestaltung sorgte der Stadtdekanatschor unter Leitung von Regionalkantorin Jutta Bitsch. Die Orgel spielten Prof. Tomasz A. Nowak in St. Lamberti und Domorganist Thomas Schmitz im Dom. Während der Prozession und der Messe musizierte das Blechbläserensemble "blechgewand(t)“.

Text: Bischöfliche Pressestelle
08.07.2019

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