Für Gott und Menschen: Fabian Guhr wird Priester

Im St.-Paulus-Dom Münster wird Fabian Guhr am Pfingstsonntag zum Priester geweiht.

Im St.-Paulus-Dom Münster wird Fabian Guhr am Pfingstsonntag zum Priester geweiht.

Gott und Menschen statt Management und Zahlen: Für diesen Weg hat sich Fabian Guhr entschieden. Am Pfingstsonntag, 31. Mai 2020, wird Bischof Dr. Felix Genn den 27-Jährigen zusammen mit dem 26-jährigen Coesfelder Jan Tasler im St.-Paulus-Dom Münster zum Priester weihen.

Dabei hatte der gebürtige Nottulner zunächst eine ganz andere Vorstellung von seiner Zukunft. Zwar habe er eine „klassisch katholische Karriere“ mit jahrelangem Engagement als Messdiener und dann als Messdiener-Leiter absolviert. Beruflich aber habe er an einen wirtschaftlichen Studiengang gedacht. „In einem Praktikum habe ich jedoch gemerkt, dass ich das interessant finde, mir bei der Arbeit aber was fehlt“, erinnert er sich. Kurzfristig überlegte er, Theologie und Wirtschaft parallel zu studieren – bis ihn ein Gespräch mit dem damaligen Kaplan seiner Heimatpfarrei umstimmte. „Der meinte, er habe immer gewusst, dass ich in die geistliche Richtung gehe“, sagt Guhr, „dieser Satz hat mich nicht losgelassen.“

Gute Freunde seien ähnlicher Meinung gewesen: „Die kirchlich Orientierten sagten, dieser Weg passe zu mir, die Kirchenfernen fanden den Weg krass, aber ebenfalls passend.“ Natürlich habe es auch kritische Fragen gegeben, etwa mit Blick auf die Lebensform des Zölibats: „Solche Fragen haben mir aber bei der Entscheidung geholfen, denn mit denen musste ich mich so oder so auseinandersetzen.“

Bei einer Messdiener-Wallfahrt entschloss sich Guhr zum ersten Schritt hin zum priesterlichen Leben: Er meldete sich im Priesterseminar Borromaeum in Münster an. „Meinen Eltern habe ich das erst erzählt, als ich die Zusage hatte. Vor allem für meine Mutter war es ein Prozess, sich damit anzufreunden“, sagt Guhr, der eine ältere Schwester und einen älteren Bruder hat. Heute erfahre er die volle Unterstützung seines Umfelds.

Der folgende Weg sei „wie ein Schleifstein gewesen: „Das Bild, wie ich als Priester leben möchte, rundete sich zunehmend ab, ohne dass es schon vollständig ist.“ Dazu habe auch sein Auslandsjahr in Italien beigetragen. Ganz bewusst habe er dieses nicht in Rom, sondern in Mailand verbracht. „Das war sehr bereichernd“, sagt er, „die Tatsache, wie viele gläubige und spirituelle Menschen es in Gemeinden gibt, entzieht jedem Klerikalismus die Grundlage.“

Im April 2019 wurde Guhr zum Diakon geweiht. Das Jahr davor und danach arbeitete er in der Pfarrei St. Antonius in Rheine. Die Rückkehr in die Pfarrei als Diakon sei ein wenig „wie Nachhausekommen gewesen: Da habe ich gemerkt, dass ich wirklich gern dort war.“ Seine Aufgaben hätten sich allerdings verschoben: „Ich gebe keinen Religionsunterricht mehr und bin in der Schule nur noch für multireligiöse Feiern zuständig.“ Firmvorbereitung und Jugendarbeit zählten während der gesamten Zeit in Rheine zu seinen Aufgaben, nach der Diakonweihe kamen Taufen, Trauungen und Beerdigungen hinzu. Taufen und Firmprojekte – zum Beispiel Wochenenden auf Jugendburg Gemen, eine Wanderung mit Jugendlichen nach Münster „auf den Spuren des Lebens und Glauben“ oder die Mitgestaltung einer Wohngemeinschaft für Firmanden und Firmandinnen – begeisterten ihn besonders.

So schön die Zeit in Rheine für Fabian Guhr auch war, so sehr freut er sich auf die nach der Priesterweihe beginnende Kaplanszeit, „vor allem auf das Kennenlernen einer neuen Pfarrei mit den Menschen dort.“ Diese Perspektive versöhnt ihn mit der Aussicht, „dass wir die Weihe wegen Corona nur in kleinem Kreis und ohne Empfang im Anschluss feiern. Vor allem auf die Begegnungen im Nachgang hatte ich mich gefreut.“ Trotzdem überwiege die Vorfreude „auf die Weihe und den Dienst danach. Gerade in den letzten Vorbereitungswochen im Seminar habe ich gemerkt, wie sehr ich mich darauf freue, wieder in einer Pfarrei zu sein.“

Eine solche Pfarrei möchte Fabian Guhr übrigens demnächst als Priester nicht vor allem managen, sondern vor allem Seelsorger sein und in zeitgemäßen Leitungsmodellen mitarbeiten. „Mit dem Ende meiner BWL-Pläne habe ich mich ja gegen die Verwaltung vom Schreibtisch her entschieden“, vergleicht er augenzwinkernd.

Ebenso wie das Priesterbild sieht Guhr die Kirche insgesamt in einem grundlegenden Wandel: „Ich spüre, welche großen Erwartungen da sind, und habe Freude daran, dass sich was verändert.“ Experimente seien wichtig. „Vielleicht werden wir irgendwann nicht mehr in Pfarreien, sondern in anderen Formen von Gemeinde denken“, nennt er ein Beispiel.

So oder so müsse sich die Kirche neu definieren. „Ich selbst arbeite bei ihr nicht wegen des Systems, sondern wegen der Botschaft dahinter“, sagt der angehende Priester, „ich möchte an den Fragen mitarbeiten, wie Liebe und Heilung und Gemeinde in Nachfolge Jesu heute gelingen können.“ Dabei trage ihn das viele Positive, das es in der Kirche gebe. So fühlt sich Fabian Guhr nicht entmutigt, nur weil sein Beruf heute ein exotischer ist: „Es kann ja eine Chance sein, dass es so wenig Priester gibt. Vielleicht spricht Gott dadurch und weist uns auf die großen Charismen aller Getauften hin.“

Text/Foto: Anke Lucht, Bischöfliche Pressestelle
22.05.2020

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