DomGedanken mit bekannter Rede von Romano Guardini gestartet

Als Präsident der Guardini-Stiftung führte Prof. Michael Rutz zu Beginn des Abends in dessen Gedanken ein.

Als Präsident der Guardini-Stiftung führte Prof. Michael Rutz zu Beginn des Abends in dessen Gedanken ein.

Die kritische Begleitung der Macht als Aufgabe eines geeinten Europas: Diesen Gedanken formulierte schon 1962 der Theologe und Philosoph Prof. Dr. Romano Guardini, als er den Erasmus-Preis der Europäischen Union (EU) erhielt. Seine zeitlos aktuelle Maastrichter Rede zu diesem Anlass war am 7. August Thema des ersten Abends der diesjährigen DomGedanken. Die Vortragsreihe im St.-Paulus-Dom Münster steht 2019 unter dem Obertitel „Warum ich Europäer bin“, den der 1968 verstorbene Guardini seiner Rede gab. Zum Auftakt hörten rund 300 Besucher diese Rede als Original-Tondokument im Dom, begleitet von einer passenden Präsentation. Thematisch führte nach der Begrüßung durch Dompropst Kurt Schulte Prof. Michael Rutz als Präsident der Guardini-Stiftung in den Abend ein.

„Es lohnt sich, Romano Guardini als großen Europäer wiederzuentdecken“, sagte Rutz. Guardini habe Europas Zukunft in einem Bundesstaat gesehen, der kulturelle Besonderheiten der einzelnen Staaten zulasse. Als Christ und leidenschaftlicher Redner mit einem „feinen Gespür für Gefährdungen“ würde er in der Situation, in der sich die Europäische Union heute befinde, „die Kanzel erklimmen“ und Europa davor warnen, seine historische Gelegenheit zu verpassen.

Diese Warnung fanden die DomGedanken-Besucher in der Maastrichter Rede wieder. Darin schilderte Guardini, wie in ihm schon als Jugendlicher ein Bewusstsein für die europäische Idee gereift sei. Er ging auf die steigende Macht des Menschen aufgrund des technischen und wissenschaftlichen Fortschritts ein und benannte deren negative Auswirkungen.

Die Frage nach der „Ordnung, in welcher der Machtgebrauch seinen Sinn erfüllt“ beantwortete Guardini so: „Hier liegt eine Aufgabe, die in besonderer Weise Europa zugewiesen ist […]: Kritik an der Macht – nicht negative Kritik, weder ängstliche noch reaktionäre, aber ihm sei die Sorge um den Menschen anvertraut.“ Denn die Frage, ob überhaupt und wenn ja wie der Mensch Macht über den Menschen ausüben dürfe, stelle sich nur, wer wie Europa „viel Geschichte durchlebt“ hat. Zudem habe sich Europa nicht „mit einem Sprung“ in die Entwicklung von Wissenschaft und Technik geworfen, sondern Zeit gehabt, sich an sie zu gewöhnen und „Illusionen zu verlieren“. Es habe „die Neuzeit geschaffen, aber den Zusammenhang mit der Vergangenheit festgehalten.“ In der Folge sei Europa „der absolute Optimismus, der Glaube an den allgemeinen und notwendigen Fortschritt“ fremd.

„Europa hat die Idee der Freiheit des Menschen wie seines Werkes  hervorgebracht; ihm wird es vor allem obliegen, in Sorge um die Menschlichkeit des Menschen, zur Freiheit auch gegenüber seinem eigenen Werk durchzudringen“, lautete Guardinis These. So könne Europa die Ausübung von Macht als „dienende Stärke, die will, dass die Dinge der Erde recht werden“, fordern. „In dieser Form der Machtausübung ist kein Glanz, keine Erhabenheit, sondern schlichte Sachlichkeit“, so Guardinis Worte.

Dass Europa seine Rolle wahrnehme, setzt laut Guardini voraus, „dass jede seiner Nationen ihre Geschichte umdenke“, die Vorstellung von der eigenen Einzigartigkeit und Großartigkeit zugunsten des Ganzen überwindet. Aktueller denn je klang Guardinis abschließende Warnung: „Europa kann seine Stunde versäumen. Das würde bedeuten, dass Einung nicht als Schritt in freieres Leben, sondern als Absinken in gemeinsame Knechtschaft verwirklicht würde.“

Musikalisch gestaltete Domorganist Thomas Schmitz die DomGedanken. Die Reihe setzt sich fort am 14. August, wenn um 18.30 Uhr Prof. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, über „Heimat Europa. Kulturpolitik für Zusammenhalt in Vielfalt“ spricht.

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Text/Foto: Bischöfliche Pressestelle
09.08.2019

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