Bischof Genn feiert Ostersonntag im St.-Paulus-Dom

„‚Fliehen wir nicht vor der Auferstehung Jesu. Geben wir uns niemals geschlagen. Was auch immer geschehen mag. Nichts soll stärker sein als sein Leben, das uns vorantreibt.‘ Dann hat die Botschaft es in sich. Und hat Auswirkung auf den Alltag, auf das gesellschaftliche und politische Leben.“ Mit diesen Worten hat der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, bei der Feier am Ostersonntag, 12. April, im St.-Paulus-Dom in Münster ein gesegnetes Osterfest gewünscht. Er berief sich dabei auf Aussagen von Papst Franziskus aus dem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ („Freude des Evangeliums“). Im St.-Paulus-Dom waren wegen der Maßnahmen gegen die Verbreitung des Corona-Virus keine Gläubigen im Dom anwesend. Die Feier am Ostersonntag wurde vom Bistum Münster live im Internet übertragen.

„Herr Bischof, was werden Sie den Leuten in diesen Tagen des Osterfestes sagen? Da hätten Sie doch eine Botschaft zu vermitteln.“ Diese Frage hätten ihm vor einigen Tagen Journalisten gestellt, berichtete der Bischof in seiner Predigt. Auch er habe sich diese Frage nach der Botschaft angesichts der immer neuen und erschreckenden Nachrichten rund um die Ausbreitung des Corona-Virus in der ganzen Welt gestellt. Dabei nahm er besonders die Menschen in den Blick, die in diesen Tagen um das Leben eines Angehörigen ringen. „Man muss sich dieser Realität stellen, um dieses Wort, das Ostern in aller Welt erklingt und für alle Welt gesagt ist, zur Sprache zu bringen“, betonte Genn. Er lud dazu ein, auch in dieser Situation aus der Hoffnung zu leben und die tiefe Überzeugung im Herzen zu tragen, dass Ostern ein Ereignis sei, das die Welt des Todes zerbrochen habe. Diese Botschaft wirke auch in die derzeitige Situation hinein.

Der Bischof lenkte den Blick auf die beiden Jünger Petrus und Johannes, die das leere Grab vorgefunden hatten. Der Wettlauf der beiden, die Konkurrenz in dem Moment, fasziniere ihn immer wieder neu. „Der Jünger, den Jesus liebte“, sei schneller am Grab gewesen. „Er hat schon zu Lebzeiten Jesu eine tiefe und innige Beziehung zu ihm entwickelt“, blickte Genn zurück. Ebenso Maria, die dem Auferstandenen als erste begegnet sei – allein. „Ostern ist darum zunächst einmal ein sehr inneres, persönliches und intimes Geschehen“, verdeutlichte der Bischof. „Kann mit dem Tode alles aus sein? Heißt denn nicht Liebe auch zu sagen: Ich will nicht, dass du stirbst?“, fragte er. Jesus wolle nicht festgehalten werden. Er fordere Maria auf, die Botschaft der Auferstehung weiterzusagen, damit viele etwas davon haben. „Auch Sie und ich. Heute. Und in unserem Leben“, betonte Genn.

Der Bischof ermutigte, diese Botschaft mit in den eigenen Alltag hineinzunehmen. Viele Christen täten dies bereits und seien politisch aktiv: „Sie setzen sich für den Schutz des Lebens ein, wehren sich gegen die Anfänge der Kriege und wollen nicht, dass eine Nation sagt, sie sei die Beste.“ Auch im Bistum Münster entwickele sich besonders in diesen Tagen eine große Solidarität, hob Genn hervor: in den Gemeinden, in Nachbarschaftshilfen, im Dienst für die Kranken und – mit Blick auf die Kontaktsperren – im Schutz für die Schwächsten. Auf diesen Einsatz, diese Solidarität dürften Christen zurückgreifen und spüren: „Die Einladung des Herrn, mit ihm in Beziehung zu treten und sein Leben zu teilen, gilt“, sagte Genn und wünschte den Gläubigen „gesegnete Ostern voll Hoffnung und Zuversicht in der Bereitschaft zum Wettlauf um mehr Liebe und Erkenntnis des Herrn“.

Text: Ann-Christin Ladermann, Bischöfliche Pressestelle
Foto: Achim Pohl, Bischöfliche Pressestelle
12.04.2020

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