Bischof Genn feiert Osternacht im St.-Paulus-Dom

Ratlosigkeit und Todesstille, Bilder von Massengräbern, Menschen, die aufgrund der Corona-Epidemie um das Leben ihrer Angehörigen bangen. Kann in dieser Situation trotzdem Osterstimmung aufkommen? Kann trotzdem das Ostergeheimnis verkündet werden? „Ja, aber wir tun es nicht, weil uns nach Zynismus zumute ist. Und wir tun es nicht, weil wir mit einem erbitterten Trotzdem etwas dagegen setzen möchten. Wir tun es, weil wir tatsächlich glauben dürfen, dass es wahr ist, dass Gott selbst gehandelt hat und in diesem Jesus von Nazareth, den er von den Toten auferweckt hat, die Macht des Todes gebrochen hat.“ Das hat der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, bei der Feier der Osternacht am 11. April im St.-Paulus-Dom in Münster betont. Es waren wegen der Maßnahmen gegen die Verbreitung des Corona-Virus keine Gläubigen im Dom anwesend. Die Feier der Osternacht wurde vom Bistum Münster live im Internet übertragen.

Weil Gott die Macht des Todes gebrochen habe, seien Christen immer Anwälte des Lebens und der  Bewahrung der Schöpfung gewesen und hätten sich mit allen Kräften dafür eingesetzt, Kriege zu verhindern oder zu Ende zu bringen. „Immer wieder haben Menschen, die sich mit Jesus verbunden haben, die Erfahrung machen dürfen, dass das keine Illusion ist“, sagte der Bischof. Menschen hätten daraus gelebt, „dass in diesem Auferstandenen eine Kraft in das Leben einströmt, die auch bei uns allen Kräfte mobilisieren kann, um alle Ketten der Todesmächte zu zerbrechen“. Von daher sei es vielleicht gerade in der aktuellen Situation, die viele Menschen an den Rand der Verzweiflung bringe, möglich, die Aussage zu wagen: „Wir wären umsonst geboren, hätte uns nicht der Erlöser gerettet.“ Möglicherweise spürten die Menschen in der derzeit völlig veränderten Lage mehr als sonst, „dass wir unseren Sinn nicht einfach bloß dadurch empfangen, dass wir etwas leisten und tun, sondern dass uns etwas geschenkt wird“.

„Gott geht mit uns, auch jetzt“, sagte Bischof Genn und lud die Menschen ein, sich in dieser Zeit, die von mancher Verzweiflung und Ratlosigkeit  geprägt sei, Jesus anzuschließen. Das sei einfach, sei es durch die Taufe doch bereits in die Menschen „eingepflanzt“ und warte nur darauf, dass ihm Wachstum gegeben werde. „Mit der Kraft, die in uns eingepflanzt ist, können wir in den Alltag unseres Lebens gehen, um dort zu erproben, dass es stimmt: umsonst wären wir geboren, hätte uns nicht der Erlöser gerettet“, sagte der Bischof und wünschte allen „Gesegnete Ostern!“.

Text: Bischöfliche Pressestelle
Foto: Achim Pohl, Bischöfliche Pressestelle
11.04.2020

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