Prof. Dr. Michael Hüther sprach am dritten Abend der DomGedanken

Über „Vertrauen trotz Kontrollverlust“ sprach Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, bei den DomGedanken im münsterschen St.-Paulus-Dom.

Über „Vertrauen trotz Kontrollverlust“ sprach Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, bei den DomGedanken im münsterschen St.-Paulus-Dom.

Dompfarrer Hans-Bernd Köppen begrüßte am dritten Abend der Vortragsreihe „DomGedanken“ Prof. Dr. Michael Hüther. Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln brachte am Mittwoch, 26. August, mit seinem Beitrag „Vertrauen trotz Kontrollverlust – Zuversicht in die freiheitliche Ordnung“ im St.-Paulus-Dom eine ebenso ökonomische wie historische und gesellschaftspolitische Perspektive in die Veranstaltungsreihe ein, die unter dem Obertitel „Zurück zum Leben mit Corona – Fünf Abende der Hoffnung“ steht.

Hüther, der Volkswirtschaft sowie mittlere und neuere Geschichte studiert hat, weitete den Blick über die Corona-Pandemie hinaus. Er schaute zurück auf ein Jahrzehnt tiefgehender Krisen: die globale Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren, die Flüchtlingskrise 2015 und die Corona-Pandemie. Diese Krisen seien nicht nur eine Erinnerung an die vergangene Zeit. „Ihr Tiefgang und der jeweils resultierende Kontrollverlust wirken nach und haben Prägekraft für das, was wir jetzt erleben“, sagte Hüther. Und obwohl die drei Krisen fundamental unterschiedlich seien, finde man eine identische Rahmenerzählung. Auch in schwierigen Zeiten würden Dinge gelingen und es würden sich wieder Perspektiven eröffnen, auch wenn diese nicht erwartbar waren. Die Wirtschaftspolitik habe vieles richtig gemacht. „Wir gehen davon aus, dass die Impulse tragen, die gesetzt wurden. Das zeigt sich auch an den jüngsten Indikatoren“, erläuterte der 58-Jährige eine ökonomische Perspektive. „Die Pandemie hat das Potenzial, die Gesellschaft zu spalten. Auf der einen Seite die Ängstlichen, weniger Innovativen, genügsamen Entschleuniger sowie die Globalisierungskritiker. Und auf der anderen Seite die mutigen Voranschreiter, die Innovativen, flexibel Anpassungsfähigen sowie globalisierungsgeneigte Anpassungswilligen“, zählte er auf. In dieser stilisierten Gegenüberstellung von zwei Haltungen werde deutlich, dass diese Pandemie ein Überspannungsproblem für Politik und Gesellschaft begründe. Denn gegenüber dem Lockdown sei die Öffnung eine andere Herausforderung. Es erfordere die Bereitschaft, sich darauf einzulassen, wieder mit Risiken umzugehen.

Die Krisenerfahrungen begünstigten einen betonten Rückzug in die Privatheit. „Eine Privatheit, die den öffentlichen Raum als einen Rahmen für unsere individuellen Lebensbedingungen sieht und der dadurch Sicherheit und Stabilität eröffnen soll. Es gibt aber immer mehr Stimmungen und Haltungen, die nicht mehr erkennen, dass dieser öffentliche Raum von uns abhängt, von unserem Verhalten und unserer Kooperation sowie der Bereitschaft, auch Einschränkungen zu akzeptieren“, meinte Hüther. Sicherheit und Stabilität des öffentlichen Raumes seien elementar. Dazu sei es notwendig, individuelle Wünsche und Freiheiten einschränken zu lassen.

Wenn Marktwirtschaft und Demokratie ein konstruktives Miteinander markierten, dann verschiebe sich die Sorge, die sich aus den drei Krisen ableite: „Die diagnostizierte gesellschaftliche Spaltung muss im öffentlichen Raum beantwortet und kuriert werden, indem Wege gefunden werden, den Identitätsegoismus in einer verantwortlichen Freiheit durch Ordnung und Stabilität einzuhegen. Marktwirtschaft und Demokratie greifen dafür ineinander.“ Der Anspruch an die freiheitliche Ordnung – im Politischen als auch im Wirtschaftlichen – müsse so gewendet werden, dass die Freiheit gesichert und die Spaltung der Gesellschaft überwunden werde. Ein Staat könne nur begrenzte Versprechen geben. Dazu gehöre auch, dass die Anforderungen der Menschen realistisch seien. „Wir müssen unsere Verletzlichkeit bis hin zu unserer Sterblichkeit wieder mehr in die Mitte unseres Lebens hineinrücken statt sie auszublenden. Das ist eigentlich unsere Existenzperspektive“, betonte Hüther.

Musikalisch wurde der Abend vom Santini-Ensemble der Dommusik gestaltet.

Die Reihe der „DomGedanken“ geht weiter: Am 2. September kommt Dr. Christiane Woopen, Professorin für Ethik und Theorie der Medizin an der Universität Köln, nach Münster, um über „In Freiheit atmen können“ zu referieren. Den Abschluss bildet am 9. September Claudia Nemat, Vorstandsmitglied für Innovation und Technologie bei der Deutschen Telekom AG, mit dem Thema „Aus der Krise lernen: Technologie für eine lebenswerte Zukunft“. Das Bistum Münster überträgt die Vorträge live im Internet. Sie sind jeweils ab 18.30 Uhr zu sehen auf www.bistum-muenster.de, www.paulusdom.de sowie auf der Facebook-Seite und der Youtube-Seite des Bistums.

Text: Michaela Kiepe, Bischöfliche Pressestelle
Foto: Jakob Kuhn, Bischöfliche Pressestelle
27.08.2020

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