Ökumenische Friedensvesper erinnert an Westfälischen Frieden

Präses Annette Kurschus rief in der Friedensvesper dazu auf, der Erinnerung Raum zu geben.

Präses Annette Kurschus rief in der Friedensvesper dazu auf, der Erinnerung Raum zu geben.

Der Erinnerung Raum geben: Dazu hat Dr. Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, am 24. Oktober im St.-Paulus-Dom in Münster aufgerufen: „Auf dass wir unser Heute besser verstehen lernen und Mut gewinnen, unser Morgen gemeinsam zu gestalten.“ Kurschus sprach bei einer ökumenischen Friedensvesper, mit der an den Tag des Westfälischen Friedens, den 24. Oktober 1648, erinnert wurde. Seit 1993 laden die katholische Pfarrei St. Lamberti und die evangelische Apostelgemeinde gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) zu dieser Friedensvesper ein.

Auch Münsters Bischof, Dr. Felix Genn, nahm teil und hob die Verpflichtung der älteren Generation hervor, junge Menschen zu motivieren, weiterhin den Frieden zu suchen und für den Frieden zu arbeiten. „Das Gebet ist eine Weise unseres Friedensengagements als Christinnen und Christen“, sagte Genn. Es sei Ermutigung und Aufforderung, aber zugleich beseelt von dem tiefen Vertrauen, dass Gott den Frieden schenken könne.

75 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs räumte Kurschus in ihrer Predigt der Erinnerung einen besonderen Platz ein: „Sich erinnern ist keine leichte Übung.“ Die Erinnerung aber berge die Kraft, Böses mit Gutem zu überwinden, griff das Oberhaupt der westfälischen Landeskirche das Leitwort der Friedensvesper auf. Wie könne es gelingen, sich weiterhin an „einen Tag wie den heutigen“ zu erinnern, einen symbolischen Friedenstag für Münster? „Noch haben wir – wie Ida und Lotta – die Chance, Menschen zu fragen“, nahm Kurschus Bezug auf zwei junge Frauen, die zu Beginn per Video von ihren Freiwilligendiensten in der Gedenkstätte Oradour in Frankreich und in der Arbeit mit Holocaust-Überlebenden in Israel erzählt hatten. Beide hatten sich am meisten berührt gezeigt von den Geschichten der Zeitzeugen – von traurigen Momenten voller Schmerz der Opfer, aber auch von Glücksmomenten voller Dankbarkeit der Überlebenden.

Kurschus forderte dazu auf, die Erinnerung wach zu halten und weiterzugeben, besonders dann, wenn die Generationen der Eltern und Großeltern nicht mehr da seien. „Dann wird es an uns sein, die wir den Krieg nur vom Hörensagen kennen. An uns, die wir das Böse mit Gutem überwinden wollen. Damit Europa ein Haus des Friedens wird und bleibt; ein Haus des Friedens, in dem nicht nur wir gern und sicher leben; ein Haus, dessen Grenzen und Türen sich öffnen für Fremde in Not.“

Es gelte, sich für das Gute einzusetzen, was manchmal „eine enorme Anstrengung“ sein könne, verdeutlichte die Theologin. Zum Teil gebe es „verächtlichen Widerstand“ oder sogar „hasserfüllten Gegenwind in der Gesellschaft“. Doch aus der Erinnerung heraus könne Kraft gewonnen werden, um Böses mit Gutem zu überwinden. Kurschus ermutigte: „Gott will uns und braucht uns für sein Friedensprojekt. In Münster, in Deutschland, für Europa und die eine Welt.“

Musikalisch wurde die Vesper gestaltet von der Dommusik unter der Leitung von Domkapellmeister Alexander Lauer.
 

Text/Foto: Ann-Christin Ladermann, Bischöfliche Pressestelle

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