St.-Paulus-Dom MünsterZentrum des Bistums und Abbild der Kirche
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Singspiel der Vorchöre
Schlusspunkt
der Einstiegsphase

Ende Januar 2009 war es wieder so weit: die Vorchöre der Mädchen- und Knabenkantorei am Dom stellten in einem Singspiel den Eltern und Geschwistern ihr sängerisches und schauspielerisches Können unter Beweis.

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Die interne Aufführung stellte den Schlusspunkt der Einstiegsphase in die Kantoreien dar:  In zwei Proben pro Woche sind die Kinder des 3. und 4. Schuljahres in den letzten neun Monaten intensiv stimmbildnerisch betreut worden und haben elementare Grundkenntnisse der Noten- und Rhythmuslehre kennen gelernt. Nun sind die 13 Jungen und 22 Mädchen in den Hauptchor übergetreten und werden ab der Karwoche auch in den Kapitelsämtern im Dom mitsingen.

Gegenwärtig ziehen Domkapellmeister und Domkantorin wieder durch die Grundschulen, um Kinder für die neuen Vorchöre, die nach Ostern beginnen, zu werben. Wer schon jetzt interessiert ist kann gerne Kontakt mit der Dommusik aufnehmen: dommusik@bistum-muenster.de oder im Sekretariat unter 0251-495 575. www.dommusik-muenster.de

 
Meditationen
über die Ewigkeit
Messiaen-Zyklus ging zu Ende

Zeit seines Lebens ging es Olivier Messiaen in seiner Musik um den Menschen, um die Natur, die Vögel, um Gott – und deren Beziehung untereinander. Und es zeugt von unerschütterliche, Glauben, dass Messiaen selbst in Zeiten der tiefsten Katastrophe klingende Botschaften über die Herrlichkeit des Schöpfers aufschrieb. Das "Quartett auf das Ende der Zeit", mit dem am Mittwoch im Paulusdom der dortige Messiaen-Zyklus zu Ende ging, entstand im Kriegsgefangenenlager Görlitz, wo es im Januar 1941 bei Eis und Schnee zur Uraufführung kam – vor rund 5000 Menschen! Nie wieder, so erinnerte sich Messiaen, habe er ein mit größerer Aufmerksamkeit zuhörendes Publikum erlebt als dort vor der Baracke 27 B.

Aber wie könnte man sich auch der suggestiven Wirkung dieser Klänge entziehen? Etwa der himmlischen "Vokalise für den Engel, der das Ende der Zeit verkündet" mit den großen Melodie-Bögen von Violine und Cello. Oder dem "Lobgesang auf die Ewigkeit Jesu", quasi ein Solo für Cello, in dem Lutz Wagner sein Instrument ganz wunderbar singen ließ, während Annette Strootmann federnde Klavierakkorde unterlegte. Nach dieser ergreifenden Meditation hätte man selbst im Dom die berühmte Stecknadel fallen hören können – nicht zum letzten Mal an diesem Abend.

Für den "Abgrund der Vögel", ein Spiel von Düsternis und gleißendem Sternenlicht, wechselte Werner Raabe in den Westchor des Domes, von wo aus sein Klarinettenton völlig entrückt wirkte.

Was Messiaen da mitten in Kriegszeiten zu sagen hatte, geht bis heute unter die Haut, zumal wenn Interpreten aufeinander treffen, die eine absolut gemeinsame Sprache sprechen und hundertprozentig aufeinander eingespielt sind. Die aberwitzig vertrackten Rhythmen im "Tanz der Wut für sieben Trompeten", das balsamische Miteinander von Karin Struck (Violine) und Werner Raabe im siebten Satz, ebenfalls für den das Ende verkündenden Engel – dies alles gelang mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit und großer Perfektion. Dazu Annette Strootmanns herrlich glockiges, warmes und im Raum sehr präsentes Klavier – da wurde man ganz, ganz still und vergaß alles um sich herum. Bis zum schlichtweg überirdischen Finalsatz. Der gehörte Karin Struck und ihrem höchst intensiven Violin-Gesang auf Jesu Unsterblichkeit, begleitet von betörenden Klaviertupfern.

Die "Ewigkeit der Kirche" hatte Domorganist Thomas Schmitz mit Messiaens "Apparition" wie eine Skulptur aus den Orgelpfeifen gemeißelt, dann entstand die Vision vom himmlischen Gastmahl – ein passenden Orgel-Entrée für die anschließende Aufführung des "Quartetts", das mit ungewöhnlich langem und intensivem Beifall gefeiert wurde.

Von Christoph Schulte im Walde, Westfälische Nachrichten
(www.westfaelische-nachrichten.de), 21. November 2008

 
Bewegender Appell
für mehr Menschlichkeit
Opernpremiere Brundibar

Brundibár – das ist Tschechisch und bedeutet im Deutschen "Hummel". Wobei die Tschechen mit diesem Begriff gern auch mal einen mürrischen, griesgrämigen Typen bezeichnen. Genau solch einer macht zwei Kindern das Leben schwer: Pepíèek und Aninka. Die stehen seit Sonntag auf der Bühne des Kleinen Hauses der Städtischen Bühnen und betteln um ein paar Münzen in ihrer Mütze. Ihre Mutter ist krank und braucht unbedingt ein, zwei Liter frische Milch. Weil das Geld dazu fehlt, fangen die beiden Stöppkes an zu singen. Mitten auf dem Marktplatz. Das ist zwar rührend, doch Brundibár, dieser halbe Riese mit seinem großen Leierkasten stiehlt ihnen und ihren dünnen Stimmchen ganz klar die Show.

Hans Krása hat diese Geschichte vertont – für einen Wettbewerb Anno 1939, der aufgrund der politischen Ereignisse der Zeit nicht realisiert werden konnte. Krásas Stück kam dann vier Jahre später zur Uraufführung, an einem Ort, der ihm eine ganz besondere Bedeutung gab: im Konzentrationslager Terezín, das als Theresienstadt traurige Berühmtheit erlangte. Zigtausende Juden sind dort interniert und von dort aus in die Gaskammern geschickt worden, hier zog Hitler seine perfide Show ab und suggerierte der internationalen Öffentlichkeit, den Juden in Deutschland ginge es doch gut. "Der Führer schenkt den Juden eine Stadt" hieß der entsprechende Propaganda-Streifen, in dem auch Krásas Brundibár instrumentalisiert wurde.

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Tatsächlich ist Brundibár ein Fanal für Menschlichkeit, für Solidarität. "Gemeinsam sind wir stark" – wer wie die Kinder auf dem Marktplatz diese Gewissheit real werden lässt, verschafft sich Gehör. Ganz buchstäblich: Pepíèek und Aninka bekommen Verstärkung, jetzt erst erreichen ihre Lieder die Leute. Und die Mütze ist auf einmal voller Geld für die Milch.

Brundibár ist ein rundherum gelungenes, stellenweise unter die Haut gehendes Gemeinschaftsprojekt der Kinder- und Jugendchöre am Paulusdom (Einstudierung: Andreas Bollendorf), der Westfälischen Schule für Musik und der Städtischen Bühnen. Jan Sturmius Becker (Regie) und Jacqueline Schienbein (Ausstattung) arrangierten das bunte, märchenhafte Treiben, in dem Katze, Hund und Spatz das kollektive Singen organisieren. Die Opernbühne ist voll hoch motivierter und quicklebendiger junger Leute, die fantastisch singen und spielen. Im Orchestergraben herrscht höchste Aufmerksamkeit – und alle Akteure unter Leitung von Ulrich Rademacher strotzen vor Selbstbewusstsein. Eine runde Sache! Doch sie gemahnt auch permanent an die Nazi-Barbarei, der Hans Krása und viele der Brundibár-Interpreten von 1943 zum Opfer fielen: hohe Regale mit sorgsam beschrifteten Koffern bilden die Rückwand der Bühne. Koffer, die niemand mehr abholen wird. Das solches nie wieder passieren darf, auch das ist die eindeutige Botschaft an diesem Abend, für den es stürmischen Premierenbeifall gab.

Von Christoph Schulte im Walde, Westfälische Nachrichten
(www.westfaelische-nachrichten.de), 11. November 2008

Weitere Informationen im Internet:
www.wdr.de

 
Momente, vor denen
die Sprache verstummt
Chorfest Pueri Cantores

Münster. Die Innenstadt von Münster am Samstagnachmittag: ein einziges Konzert. Auf den Straßen der ganz normale Trubel, in Lamberti-, Dominikaner- und Clemenskirche Chorklänge ohne Ende. Es waren Tausende, die entweder mitgesungen oder einfach zugehört haben. Anlass: das Chorfest 2008 des Chorverbandes "Pueri cantores". Viele Menschen pilgerten bei herrlichster Herbstsonne von Kirche zu Kirche, um möglichst viel mitzubekommen von dem, was rund 20 Chöre aus ganz Deutschland den ganzen Tag über präsentierten. Musik von Gregorianik bis Gospel, alles was zum Motto des Festes passte: "Den Frieden verkünden!"

Dann abends im Paulusdom: eine bizarre Melange aus Weihrauchduft und Festivalatmosphäre. Denn hier trafen sich alle wieder. Die Aktiven aus Nord und Süd, Ost und West – und ein riesiges Publikum.

Selbst auf dem steinernen Boden war kein Quadratzentimeter mehr frei. Doch als Mathias Breitschaft seine Hände zum "Incipit Lamentatio" erhob, herrschte Mucksmäuschenstille, der riesige Raum gehörte allein dem Mainzer Domchor. Palestrina, di Lasso, Hassler und Schütz – die ganz große Chormusik wurde lebendig, die Ausgestaltung des Textes war dabei oberstes Gebot.

An dieses hielt sich auch der Mädchenchor am Kölner Dom, der seinen Rang als eines der besten Ensembles seiner Art deutlich unterstrich. Welch eine Klangkultur in Arvo Pärts Vertonung des 122. Psalms! Und wie leicht und scheinbar schwerelos floss das gregorianische "Da pacem Domine", wie fesselnd geriet unter Oliver Sperlings Dirigat die Friedensbitte des Finnen Reijo Kekkonen. Repertoire-Entdeckungen wie diese hat es übrigens während des gesamten Chorfestes gegeben, das von einer fröhlichen und freundschaftlichen Stimmung geprägt war. Auch und gerade im rappelvollen Dom. Hier zeigte sich ein hoffnungsvolles Bild, was und wie Kirche sein kann: eine Gemeinschaft junger und ganz junger Leute, denen das Singen Freude macht, die gemerkt haben, dass alte wie neue Musik mit dem eigenen Leben zu tun hat – und das von ihr vor allem ganz große emotionale Momente ausgehen können, vor denen die Sprache verstummt.

Die Theologen haben dafür den schönen Begriff der Transzendenz. Und dieser charakterisiert in höchstem Maße den Chorklang, mit dem der Osnabrücker Jugendchor die Realität rings herum schlicht vergessen ließ. Musik wie ein Versprechen, wie ein Blick ins Paradies. Ob Knut Nystedts zutiefst berührende Anbetungsmusik "Adoro te devote", William Byrds hoffnungsfrohes "Laetentur caeli", erst recht Olivier Messiaens "O sacrum convivium".

Nicht zu fassen, mit welcher Selbstverständlichkeit Johannes Rahe aus seinem Ensemble derart atemberaubende Klangereignisse herauszuholen wusste. Aber es kam noch intensiver, noch ergreifender: Arnold Schönbergs "Friede auf Erden". Eine Botschaft für morgen, wenngleich schon zweitausend Jahre alt. Mit einer Perfektion und Hingabe gestaltet, die kaum zu beschreiben ist. Der Beifall, der sich danach entlud, kannte keine Grenzen.

Christoph Schulte im Walde, Westfälische Nachrichten
(www.westfaelische-nachrichten.de), 06.10.2008

 
Knabenchortreffen anlässlich
des NRW-Tages 2008
in Wuppertal
Konzert und Fußballturnier

Anlässlich des diesjährigen NRW-Tages in Wuppertal hat die Wuppertaler Kurrende einige Nordrheinwestfälische Knabenchöre zu einem gemeinsamen Konzert eingeladen. Mit dabei waren der Kölner Domchor, die Essener Domsingknaben und neben dem einladenden Chor, die Jungen unserer Knabenkantorei.

Nach einer gemeinsamen Probe im Chorhaus der Wuppertaler Kurrende gaben die Chöre ein Konzert in dem neben Einzelbeiträgen vor allem die von allen Jungen und jungen Männern  gemeinsam gesungenen Stücke begeisterten. Das Publikum in der vollbesetzten Kirche dankte mit lang anhaltendem Applaus.

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Der gemeinsame Tag schloss mit einem Fußballturnier, bei dem sich die Jungen auch von ihrer sportlichen Seite präsentieren konnten.

Den Verantwortlichen der Wuppertaler Kurrende ein herzliches Danke für die Einladung und die hervorragende Organisation.

 
Vorchorwochenende
auf Burg Gemen
Die neuen zum
ersten Mal "unterwegs"

30 Mädchen und Jungen der neuen Vorchöre am Dom reisten gemeinsam mit Domkapellmeister und Domkantorin zu ihrem ersten Probenwochenende zur Burg Gemen. Die Kinder hatten viel Freude bei den Proben, die in erster Linie der Vorbereitung des Singspiels dienten, das am Ende der Vorchorzeit im Januar aufgeführt wird. Darüber hinaus hatten die Mädchen und Jungen die Möglichkeit, sich in der Freizeit näher kennen zu lernen und neue Freundinnen und Freunde zu finden. Für einige war es die erste Übernachtung ohne ihre Eltern oder nahen Verwandten. Alle haben das tapfer gemeistert!

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Chorfreizeit
in Kirchähr
Ein gelungener Ferienstart

Die Vorbereitungen für das Chorfest der Pueri Cantores und die Oper "Brundibar", bei der einige  Mädchen und Jungen der Kantoreien der Dommusik auf Einladung der städtischen Bühnen mitwirken, führten die Mädchen- und die Knabenkantorei in diesem Jahr mal wieder gemeinsam zu einer Chorfreizeit. Ziel war das Karlsheim in Kirhähr, eines der Jugendhäuser des Bistums Limburg. Das idyllisch in einem Tal am Fuße des Westerwaldes gelegene Haus bietet ideale Voraussetzung zum Proben und zur Freizeitgestaltung. Vor allem für letzteres zeigte sich das Wetter überwiegend von seiner besten Seite.

Neben intensiven musikalischen und szenischen Proben, erwartete die ca. 100 mitgereisten Mädchen und Jungen ein abwechslungsreiches und vielfältiges Freizeitangebot. Neben einem Tagesausflug nach Mainz mit einem Besuch des Domes und des Gutenbergmuseums, wanderten die Chöre zum nahe gelegenen Tierpark und zum Herthasee. Erfreulich war dabei, wie interessiert die Mädchen und Jungen die Führungen verfolgten und die für münsteraner Verhältnisse alpinen Wegstrecken meisterten.

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Am Ende der Chorfreizeit sangen die Kantoreien im Sonntagshochamt im Limburger Dom und wurden anschließend von Bischof Franz Peter im Schloss am Dom empfangen.

Gedankt sei vor allem den ehrenamtlichen Betreuern Frau Schoppmann und Frau Dr. Breuer für die großartige Hilfe und unverzichtbare Unterstützung.

Wenn auch erschöpft, aber voll positiver Eindrücke erreichten die jungen Sängerinnen und Sänger nach einer Woche wieder Münster. Ein schöner Start in die Ferien!

 
Links
Chorfest
Pueri Cantores

Informationen zum Chorfest Pueri Cantores und zum Stand der Vorbereitungen im Internet:

 
Konzertkritiken
Ausschnitte
aus der Presse
 
In düsteren Schichten geschürft
Orgelkonzert
mit Marcel Ober

Ein einziger großer Jubel in H-Dur - darin gipfelt Louis Viernes sechste Orgelsinfonie. Trost für all die vorangegangenen Schmerzen? So könnte man denken angesichts der Interpretation, die Marcel Ober am Samstag im Paulsdom anbot. Der Düsseldorfer Organist, Jahrgang 1977, schürfte in den düsteren, schmerzgesättigten Schichten dieser Musik, im beinahe statisch sich voranwälzenden Adagio genauso wie in der Aria. Eine einsame Trompete sucht da verzweifelt ihren Weg – und schlägt ähnlich bizarre, tieftraurige Töne an wie das Englischhorn im dritten "Tristan"-Akt. Überhaupt hat Viernes letzte Sinfonie – und nicht nur diese - viel mit Richard Wagner zu tun, mit dessen dichter Harmonik, die bis an die Grenzen der Tonalität geht.

Das passiert auch in diesem groß angelegten Orgelszenario. Marcel Ober unterstrich das Expressive in den langsamen Sätzen. Auch das koboldhaft verhuschende Scherzo bot wenig Trost – aber ausgiebig Gelegenheit, die Spieltechnik des Interpreten herauszufordern. Da ließ Ober sich nicht lange bitten. Mit welcher Brillanz er mit Händen und Füßen über die Tasten fegte, war schlichtweg umwerfend, vor allem im Finale mit seinen endlosen Tonleitern im Pedal. Was bei dieser komplexen Sinfonie immer schwierig bleibt, ist das Verdeutlichen von Strukturen, das Kenntlichmachen der bisweilen vertrackten Rhythmen – und dies alles in einer Kathedralakustik.
Auch die Versetten über "Victimae paschali laudes" aus der Feder von Thierry Escaich litten ein wenig an der unabänderlichen Tatsache der großen Akustik. Wie improvisiert warf Ober die Gedanken über die gregorianische Ostersequenz in den Raum, einmündend in – wie könnte es anders sein – eine knackige Toccata.

Johann Sebastian Bach als Kontrapunkt zu den beiden Franzosen: Marcel Ober spielte die frühe Fantasie über "Christ lag in Todesbanden" mit reich kolorierter Melodie, gestaltete Präludium und Fuge a-Moll (BWV 543) als strenge, ernste Angelegenheit, die noch der österlichen Erlösung harrt. Aber die kam ja spätestens mit Viernes rauschendem H-Dur-Finale.

Von Christoph Schulte im Walde, Westfälische Nachrichten
(www.westfaelische-nachrichten.de), 28.04.2008

 
Der Jubel musste raus
Orgelkonzert
mit Daniel Roth

Daniel Roth spielt in Münster! Das ist schon eine mittelgroße Sensation, denn Daniel Roth gehört unzweifelhaft zur internationalen Spitzenliga der Organisten. Und die gastiert nicht jeden Tag in Münster, auch nicht im Dom, wo Roth am Samstag den Osterzyklus eröffnete. Glanzvoll!

Mit einem üppigen Oster-Tusch der Trompeten und Posaunen zum Beispiel, wie Alexandre Boëly ihn in seinen "O filii"-Variationen ertönen lässt. Oder aber mit dem verhaltenen "Haec dies"-Choral aus Charles-Marie Widors Ostersinfonie, der Zehnten. Hat Daniel Roth einen besonderen Bezug gerade zu dieser Musik? Bestimmt, immerhin ist er einer der Nachfolger Widors an der Riesenorgel von Saint Sulpice in Paris. Zügiges Tempo legte er anfangs vor, doch als das gregorianische Thema sanft im Pedal seine Kreise zog, blies die Orgel-Flöte in hoher Lage so wunderbar, als sei dies Musik aus einer anderen Welt.

Und erst Olivier Messiaen! Dessen "Freude und Klarheit" der verklärten Leiber, gerade dem Grab entstiegen, kennt keine Grenzen. Und so spielte Roth auch: mit Grandezza, mit überbordender Vitalität. Der Jubel musste raus. Zwei, drei Mal. So klingt Messiaen schlichtweg bezwingend.

Aber auch Charles Tournemire, Messiaens Kollege von Sainte Clotilde. Ein überragender Improvisator, wie die nachträglich rekonstruierte "Victimae"-Paraphrase beweist. Daniel Roth überließ sich voll und ganz dem rauschenden, kaum zu bändigenden Fluss dieser Musik. Nur in der Mitte eine kleine Ruheinsel, in der das bizarre Vox humana-Register näseln durfte.

Von der Spätromantik zehrt so manche französische Orgelmusik des 20. Jahrhunderts. Auch Nadja Boulangers "Prélude", das wie ein Lied ohne Worte durch die Gewölbe des Domes wehte. Eine echte Repertoire-Rarität, die Daniel Roth da aufgetan hat. Seine eigenen, komponierten "Regina coeli"-Meditationen knüpfen nahtlos an die ehrwürdige Tradition der großen Pariser Organisten an, zu denen Roth längst selbst gehört. Im Spannungsfeld zwischen mystischer Versunkenheit und sprühender Virtuosität passiert da eine ganze Menge.

Komposition und Improvisation liegen bei den orgelnden Franzosen ohnehin oft nahe beieinander – par excellence nachvollziehbar in Roths Spontan-Kommentar zu "Salve festa dies" aus dem Cantus monasteriensis. Ein Fest für alle Farben der Domorgel, die stillen wie die kräftigen. Ein bewegendes Ereignis für das Publikum im außerordentlich gut besetzten Dom. Und Messiaens "Transports de joie" setzten als Zugabe diesem Orgelgipfel noch die ultimative Krone auf.

Von Christoph Schulte im Walde, Westfälische Nachrichten,
(www.westfaelische-nachrichten.de), 01.04.2008

 
Öffnungszeiten
sonn- und feiertags:
6.30 bis 19.30 Uhr
werktags:
6.30 bis 19 Uhr
Gottesdienstzeiten
Die Gottesdienstzeiten des St.-Paulus-Domes können Sie hier einsehen...
Beichtzeiten

Mo., Mi., Do., Fr.:
7.30 Uhr bis 8.15 Uhr, 9 bis 9.30 Uhr
Sa.: 7.30 bis 8.15 Uhr, 9 bis 10 Uhr und 15 bis 18 Uhr
Do.: 16 bis 17 Uhr
Do. vor Herz-Jesu-Freitag:
16 bis 18 Uhr
Fr. 16 bis 18 Uhr
Zu anderer Zeit nach Vereinbarung
(Telefon: 02 51/9 27 60)

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Virtueller Rundgang

Domführungen
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