Die schwerste, die Kardinalsglocke, bringt 7.555 Kilogramm auf die Waage, der Glockenben-jamin wiegt bescheidene 110 Kilo: Das zehnglockige Geläut im Südturm des St.-Paulus-Domes in Münster kann sich nach langem Schweigen bald wieder entfalten: Ein eichenhöl-zerner neuer Glockenstuhl hat den veralteten, maroden Stahl-Glockenstuhl aus der Vorkriegs-zeit abgelöst. 24 Kubikmeter Holz wurden verbaut, sechs Tonnen wiegt der Unterbau zur Las-tenverteilung. Nun können die zehn Domglocken in der Glockenstube auf 34 bzw. 37 Metern Höhe wieder ihren Wohlklang entfalten. Ab Freitag Morgen (16. November) 9 Uhr ist das Probeläuten mit einer Fülle komplizierter Messvorgänge angesetzt. Der Wetterbericht verheißt nur Gutes, so dass sich der alte Münster-Kalauer nach langer Pause wieder einmal be-wahrheiten darf: Entweder es regnet – oder es läuten die Glocken. Offiziell erklingt das kom-plette Domgeläut erst wieder am 16. Februar zur Wiedereröffnung des St.-Paulus-Doms.
Der neue Glockenstuhl im 60 Meter hohen Domsüdturm ist Teil des auf vier Jahre angelegten Sanierungsprogramms der Kathedrale. Für die Baumaßnahmen im Innern wurde der Dom Allerseelen 2011 geschlossen. Der frühere zweigeschossige Glockenstuhl war stark von Rost angegriffen und nicht mehr reparaturfähig; Elektroinstallationen und Läutemotoren veraltet. Außerdem klingen Glocken, die an Stahljochen aufgehängt sind, "in der Regel zu hart, zu me-tallisch, zu obertönig", weiß der Glockensachverständige des Bistums Münster, Michael Gerding. Holz dagegen begünstigt eine weiche Klangentfaltung und dämpft die hohen Mix-turtöne. Zudem seien Läuteanlagen aus gutem Holz nahezu wartungsfrei und mit fast unbe-grenzter Lebensdauer gesegnet, erläutert der Fachmann aus dem Baudezernat der Diözese. Der Glockenstuhl im Turm des berühmten Freiburger Münster versieht seit über sieben Jahr-hunderten tadellos seinen Dienst. Ähnliches erwartet sich Gerding auch vom Glocken-Ensemble des Domes im neuen Glockenstuhl, nicht zuletzt eine exzellente Klangentfaltung: "weiches und doch kraftvolles Läuten in dynamischer Ausgewogenheit von Prinzipal- und Mixturtönen sowie eine dynamische Ausgewogenheit aller Glocken unseres Domgeläuts".
Die älteste Glocke mit dem Schlagton e’, die 895 Kilo schwere Ludgerusglocke, stammt aus dem Gussjahr 1526. Alle anderen Läuteglocken sind erst im Jahr der Wiedereinweihung des Paulusdomes nach dem letzten Krieg (1956) gegossen worden. Das Gesamtgewicht aller Glo-cken im Südturm summiert sich auf stattliche 20.175 Kilogramm. Der neue hölzerne Glo-ckenstuhl ist so ausgelegt, dass er noch eine elfte Läuteglocke mit dem Schlagton dis’ auf-nehmen kann. Übrigens: Im Dachreiter über der Vierung hängen noch zwei Uhrschlagglocken von 1766 und 1772, die nicht geläutet, sondern angeschlagen werden, um die Viertelstunden und vollen Stunden anzukündigen. Auch hier ist jetzt alles auf den neuesten Stand gebracht.







