Archäologische Grabungen 1987–88 auf dem Domherrenfriedhof

Münsters Zeitungen berichteten von einer "Grabung mit Überraschungsmomenten". "Sprechende Gräber" führten mitten hinein in die Zeit des ersten Domes zur Zeit Liudgers, war zu lesen. Gab es eingangs des 9. Jahrhunderts im alten Mimigernaford gar eine Art "Doppelkathedrale", eine Kultstätte Mariens und eine andere dem heiligen Paulus geweiht? Mit Spannung blickte die interessierte Öffentlichkeit 1987/88 auf die erste großflächige Ausgrabung des Westfälischen Museums für Archäologie (Amt für Bodendenkmalpflege) auf dem Domherrenfriedhof an der Nordseite der Kathedrale. Der St.-Paulus-Dom ist ja die Keimzelle des 1200-jährigen Münster. Die heutige (dritte) Bischofskirche wurde vor 750 Jahren, am 30. September 1264, geweiht. Dieses Jubiläum wird vom 26.-28. September gefeiert werden. Doch wo erhob sich auf dem Domhügel die Kathedrale des Gründerbischofs Liudger, der 809 starb?

Noch vor wenigen Jahrzehnten war die Historikerzunft sich weithin einig, dass die erste Kathedrale wohl auf dem Domherrenfriedhof zu suchen sei, die von drei Armen des gotischen Kreuzgangs umschlossen ist. Der "Vikarienfriedhof" oder "Herrenfriedhof, wie er früher hieß, gehört zu den stillsten und schönsten Plätzen der sonst so lärmigen Altstadt Münsters. Diözesankonservator Theodor Wieschebrink hatte hier schon 1936 eine kurze, unzureichend dokumentierte Grabung durchgeführt.

Hier setzte das Archäologenteam (Uwe Lobbedey / Manfred Schneider) ab April 1987 an und legte die Fundamente einer einschiffigen, nur acht Meter breiten karolingischen Saalkirche mit halbrunder Apsis frei. Das kleine Gotteshaus muss später noch einmal nach Osten verlängert worden sein durch einen rechteckig abgeschlossenen Chor. Schnell wurde klar: Dieser Sakralbau kann nicht das Mittelschiff einer größeren Basilika, zumal einer Bischofskirche gewesen sein. Weitere Indizien steuerten Gräber mit Baum- und Brettersärgen bei, in denen auch Münzen aus der Zeit Karls des Großen gefunden wurden. Daraus war zu folgern, dass die kleine einschiffige Kirche auf einem bereits bestehenden geosteten (also christlichen) Bestattungsareal errichtet wurde, das einer nahe gelegenen anderen Kirche zuzuordnen war. In keinem Fall ist sie die erste auf dem Domhügel gewesen.

Uwe Lobbedey kam im "Werkstattbericht" seiner Grabung zu dem Schluss, dass der erste liudgeridische Dom zweifelsfrei unter dem Hauptschiff des heutigen Domes zu suchen ist, wo noch nie archäologische Untersuchungen stattgefunden haben: "Die Hauptkirche des Missionssprengels von Münster, seit der Bischofsweihe Liudgers 805 zugleich die Kathedralkirche, hat mitten unter dem heutigen Dom gelegen." Die ergrabene Kirche auf dem Herrenfriedhof könne das "oratorium" eines Klosters gewesen sein, gebaut für die Bedürfnisse des monastischen Lebens. Zur Stützung dieser These schauten die Historiker auch in die Nachbarschaft nach Paderborn, Minden, Osnabrück und Hildesheim: Überall gab es schon in karolingischer Zeit ausgeprägte Kathedralbauten. Somit dürfte das schmale Gotteshaus auf dem Domherrenfriedhof immer eine "Annexkirche" gewesen sein, aber zu keinem Zeitpunkt der erste Dom Liudgers. Beide Kirchen standen wohl Jahrhunderte lang nebeneinander. In der "Vita sancti Liudgeri" von Altfrid, dem Nachnachfolger Liudgers, heißt es, der Gründerbischof sei nach seinem Tod 809 in Billerbeck zunächst in der "ecclesia sanctae Mariae" in Münster aufgebahrt gewesen, bevor er dann in seinem Lieblingskloster Werden an der Ruhr beigesetzt wurde. Dies wird heute so gedeutet, dass diese Marienkirche der Ort des bischöflichen Gottesdienstes war, die benachbarte kleine Pauluskirche für geraume Zeit der Kult- und Geburtsort des "monasterium". Von diesem monasterium des Liudger und seines Missionsvorgängers Bernrad erhielt Münster später seinen Namen.

Text: Bischöfliche Pressestelle
Foto: Michael Bönte, Dialogverlag

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